Ausgabe 
(29.9.1883) 78
 
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MLscellen

(Einige witzige Grobheiten von Karl Gutzkow ) ans der Zeit seinesWeimarer Aufenthalts werden derTgl. Ndsch." initgcthcilt. Eines Tages besuchte denDichter die bekannte Schauspielerin Lia vonBulyovsky und erzählte ihm so haarsträubendeund unglaubliche Begebenheiten aus ihrem Leben, daß ihn nur die einer Dame schuldigeHöflichkeit zum Anhören zwang. Die Schilderung ihrer Erlebnisse wurde aber endlichso grausig, wie sie nur der ärgste Scnsationsroman enthält, und da erschien es Gutzkow doch nöthig, ihre Phantasie zu hemmen.Verehrte Frau," sagte er lächelnd,wie harm-los das klingt! So etwas erlebt doch ziemlich Jeder, das ist doch nichts. Ich glaubte,Sie wollten mir erzählen, die Kaiser von Marokko und Brasilien hätten sich scheidenlassen und so lange um Ihre Liebe gefleht, bis Sie Erbarmen gefühlt und Beide zu-gleich gcheirathet hätten." Mit ihrem schönsten Lächeln nahm die Dame diese Bemerkungauf und ließ das Thema fallen . . . Eine derdrcihundcrtundncunzig Dresdener Schriftstellerinnen," wie er zu sagen pflegte, besuchte ihn in seiner Wohnung in derBürgerschnlstraße. Die äußerst redselige und neugierige Dame fragte dasBlau vomHimmel herunter", und Gutzkow war höflich genug, ihr jede Frage zu beantworten.Als aber das Fragen nach den gleichgültigsten Dingen gar kein Ende nahm, erhob ersich und eilte ins Nebenzimmer. Mit einer Rolle kam er zurück, überreichte sie derDame und sagte:Das viele Fragen, liebes Fräulein, greift Sie entschieden an. Siewerden noch heiser. Hier haben Sie fünfzig Briefbogen und fünfzig Couverts. GehenSie nun ins Hotel schonen Sie sich, und was Sie noch zu fragen haben, ich bitte schriftlich.Sollten fünfzig Bogen nicht ausreichen, so schreiben Sie es nur, ich habe mehr davon."Das Fräulein verstand den Wink, empfahl sich und ließ die sämmtlichen Briefbogen leer.

* (Die Herkunft eines Liedes.) Im südlichen Deutschland wird vielfachein Lied gesungen, das also beginnt:

Und wenn ich stirb', stirb', stirb',

Müssen mich zwölf Jungfern trag'n,

Und dabei Zither'n schlag'n :c. :c."

Dieses Lied stammt aus Italien , von wo aus es sich gleich manchen andern welschenSitten und Gebräuchen nach dem deutschen Süden Bahn gebrochen. Es war imJahre 1418, als zu Padua ein Professor der Rechte, mit dem Namen Luigi Cortnsi,das Zeitliche segnete, ein Sonderling, welcher in seinem Testamente die Verfügung traf,daß man ihn mit fröhlicher Musikbegleitung von zwölf jungen Mädchen zu Grabe tragenlasse, und daß Niemand dabei eine Thräne weinen solle. Diesem wunderlichen Einfallentsprang dann das erwähnte Lied im Volksmund, das bis heute sich erhalten hat.

(Ans der Dorfschule.) Pfarrer (zum Schulkunden):Nun Hans, sage mireinmal, warum dürft ihr Jungcus nicht ins Wirthshaus gehen?" Baucrnjnnge (nachlängerem Besinnen):Damit wir nicht sehen, wie viel der Herr Lehrer trinkt."

Räthsel.

Was dir die erste Silbe nennt halt' fern!Der Gute flieht es, Niemand hört es gern,Dem Funken gleiches, der, starker angefacht,

Zur Flamme leicht auflodern kann mit Macht. Trug'st du's im Körbchen heim, die trefflich munden.

Die beiden zweiten künden Schön'res dir:

Der Garten schmnckl's als hnnderlsält'ge Zier;Du ließest es wohl oft in guten Stunden,

Das Ganze ist der Name einer Frucht,

»st vr.t.

Die ma» umsonst in Wald und Garten sucht;Und doch, wie groß sie fei, wie winzig klein,Sie kann der Grund zu blnt'gem Zwiste fein.

Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiicrarischcn Instituts von Dr. Max Huttler.