Ausgabe 
(3.10.1883) 79
 
Einzelbild herunterladen

Als Mr. Riggs Joy Collage verlassen halle, nahm er sich eine Droschke und fuhrin die Nähe von Fitzroy-Square. Dort stieg er aus, entließ den Wagen und schelltean einem Hause, welches, nach dem großen Fenster auf dem ersten Stocke zu schließen,die Wohnung eines Malers war.

Nachdem er auf seine Frage, ob Mr. St. Lawrence zu Hause sei, eine bejahendeAntwort erhalten, klopfte er an der Thüre des Ateliers an.

(Fortsetzung folgt.)

Auf dem hohen Schacher».

(Schluß.)

Vom Schachensee und der Schachenalm heißt es noch gut eine halbe Stundesteigen bis die Umfriedung des Königshauses erreicht ist. Der Weg hat nichts Ein-förmiges, manch' Neues bietet sich wieder dem Blicke und ohnehin fesseln die Felswändedes Wettersteines mit der Dreithorspitze fast unaufhörlich unser Auge. Den Botanikerinteressirt hier besonders der Anblick der Zirbelkiefer. Ihre Wurzeln haben wiemit Armen einen Felsblock umschlungen, auf dein sich der Stamm des Baumes buch-stäblich auf einem steinernen Sockel erhebt. Die Zirbelkiefer liefert prächtiges Holz zurMeubelfabrikation. Die durch königliche Gnade begründete Schnitzschnle zu Partenkirchenhat schon manchen Stamm derselben glücklich verarbeitet und wer Gelegenheit hatte, dieprächtige in altdeutschem Style erbaute und eingerichtete Villa des Wiesbadener Kon-ditors Schweißgut zu Partenkirchen sich anzusehen, der versteht den Werth der Zirbel-kiefer vollends zu schätzen.

Wir stehen vor dem Königs Hause, einem prächtigen, im unmuthigen Schweizer-style erbauten Schlößchen mit zierlichen Altanen und Veranden, solid aus Stein gebautmit hölzerner Umkleidung gegen die Unbilden des Wetters. Die Lage des Hauses istreizend, die Aussicht, besonders von der südlichen Veranda, muß entzückend sein. Ausguten Gründen ist der Besuch des Königshanscs nicht gestattet. Von den Gemächernwird ein türkischer Saal mit Vorhängen und Teppichen nach maurischen Mustern alsbesonders prächtig genannt. Einige Schritte vom Königshansc entfernt, am Abhängedes Hügels steht das Forsthaus mit der Wohnung des Försters, der königlichen Kücheund den Zimmern für das Dienstpersonal.

Eine kleine Strecke von hier erhebt sich auf einem Felsenvorsprnnge in schwindelnderHöhe ein Pavillon des Königs, welcher auch den Touristen zugänglich ist und mitRecht der schönste Punkt am hohen Schachen heißt. Das Panorama, welches sich hiermit einem Male vor dem entzückten Beschauer entfaltet, kann nicht geschildert werden.Verwundert und vor Staunen fast sprachlos weiden wir unser Auge an den nie geahntenNetzen des Rainthals oder schauen hinauf zu den Riffen und Wänden des Wettersteins,der sich hier in großartigster Pracht und fast in seiner ganzen Ausdehnung vor unserhebt. Hier könnten wir Stunden verweilen und langsam das Nainthal mit all' seinenSchönheiten verfolgen. Wie es senkrecht hinab zu unseren Füßen liegt, von einemreizenden Flüßchen, der Partnach, durchzogen! Weiter entfernt erblicken wir im Thalszwei kleine, bläulich schimmernde Seen, dieblauen Gnmpen" genannt, eines derprächtigsten Bilder der Alpenwelt, welches schon oft photographisch aufgenommen wurde.Vor dem ersten der beiden Seen entdecken wir eine Hütte malerisch gelegen, welche Eigen-thum des Münchener Turnvereins sein soll. Am Ende des Nainthales erblicken wirdie grünen Matten desAnger's", des letzten Rnhepunktes vor der Besteigung derZugspitze . Darüber hin erhebt sich die mächtige Steinwand des Höllenferner mit seinenSchnecmassen, von der Mittagssonne herrlich beleuchtet. Hier ist des Staunens keinEnde, und wer hier zum erstenmale die Wunder der Alpenwelt sich betrachtet, wie fühlt er