Ausgabe 
(7.11.1883) 89
 
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Ich kann Ihnen die Versicherung geben, Mrs. Dalton, nie mehr in meinem Lebenvorgestellt zu haben, als wozu ich ein Recht hatte", erwiderte St. Lawrence lächelnd.Da nun war es heraus! Aber der junge Mann, von welchen! sie angenommen, erwerde vor Scham und Verlegenheit, ertappt worden zu sein, in die Erde sinken, standruhig, sogar lächelnd vor ihr und blickte sie mit seinen klaren, durchdringenden Augenforschend an. Mrs. Dalton erröthctc verlegen.

Das habe ich auch nicht gerade sagen wollen", stotterte sie verwirrt.Jedochwerden Sie begreifen, Mr. St. Lawrence, daß ich unter den jetzigen Verhältnissen nichtvorsichtig genug sein kann und da Mr. Faucourt glaubt"

Ein Wort, Mrs. Dalton", unterbrach er sie.Hat Mr. Faucourt dieses Urtheilüber mich bei Ihnen hervorgerufen, oder haben Sie selbst irgend etwas in meinemBetragen bemerkt, was Sie zu dieser ungünstigen Meinung über mich veranlaßte?"

O nein, durchaus nicht!" rief die arme Dame in größter Aufregung aus.ImGegentheil; ich kann Ihnen versichern, nur"

Nur Mr. Faucourt wünscht, nicht mit mir zusammen zu treffen. Ich verstehedas und seien Sie versichert, daß ich meinerseits für jetzt alles vermeiden werde, wasIhnen Unannehmlichkeiten bereiten könnte. Die Zeit wird hoffentlich nicht allzu fernesein, wo ich Ihnen in günstigerem Lichte erscheinen werde."

Ich bedanre es unendlich" stammelte Bkrs. Dalton.Und dann möchte ichIhnen noch eins sagen.Meine Lena hat, wie ich befürchte, großen Eindruck auf Siegemacht, aber Ihr gesundes Urtheil wird sie wohl schon darüber aufgeklärt haben, daßnie, auch wenn sie nicht verlobt wäre, etwas daraus hätte Iverden können."

In dieser Beziehung dürfen Sie ganz beruhigt sein, verehrte Mrs. Dalton", er-widerte St. Lawrence, sich erhebend, um der Unterredung ein Ende zu machen.Ichbewundere Ihre Fräulein Tochter, mache aber keine Ansprüche auf deren besondere Gunst.Von ganzem Herzen wünschte ich, ihr zu Glück und Ansehen verhelfen zu können." Eintiefer Ernst begleitete diese letzten Worte. Dann streckte er lächelnd Mrs. Dalton seineHand entgegen und sagte:Sie werden sich doch nicht weigern, mir die Hand zudrücken?"

Seien Sie überzeugt, daß ich das Beste für Sie hoffe, Mr. St. Lawrence."Nicht allein das, was sie mitzutheilen für nöthig erachtet hatte, sondern mehr noch, dieZweifel und Befürchtungen, welche das Benehmen und die Andeutungen des jungenMannes in ihr wachgerufen, versetzten sie in die größte Aufregung.Sie dürfen mirnicht zürnen ich konnte nicht anders handeln."

Gewiß nicht und wenn Sie in der Zukunft geneigt sein sollten, mir Mangel anOffenheit vorzuwerfen, so lassen Sie mich Ihnen schon jetzt die Versicherung geben, daßdie Verhältnisse mich zum Schweigen nöthigrcn. Ich kann nicht handeln, wie ich gernemöchte. Sie und die Ihrigen vor allen Anderen würde ich mit Freuden in mein Ver-trauen ziehen."

Nachdem er dieses gesagt, schritt er, sich tief verbeugend, zur Thüre hinaus.

Obgleich St. Lawrence sich scheinbar so gelassen von Mrs. Dalton verabschiedete,erfüllte doch tiefe Traurigkeit sein Herz. Eine neue Scheidewand erhob sich zwischenihm und Bertha und wenn diese auch, wie er zuversichtlich koffte, bald wieder zusammen-,stürzen werde, so empfand er es doch schmerzlich, wieder von ihr getrennt zu sein. DerGedanke, sie lasse sich vielleicht ebenfalls verleiten, Schlimmes von ihm zu vermachen,guälte ihn.

Nein, ich kann nicht denken, daß sie dies thun wird", tröstete er sich innerlich;»sie ist keine von denen, die vorschnell urtheilen, oder sich durch Scheiugründe beirrenlassen. Auch glaube ich nicht, daß dieser saubere Wicht, den die arme thörichte Muttermit Stolz ihren zukünftigen Schwiegersohn nennt, vielen Einfluß auf Bertha haben wird."Dann fiel ihm Lena ein. Sie mochte eitel, weltlich gesinnt und egoistisch sein, dennoch