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entsetzte es ihn, sie geopfert zu sehen. Er hoffte frühzeitig genug sprechen und Manches,was jetzt geheimuißvoll war, aufklären zu können. Niggs schickte ihm noch immerNachrichten, und diese schloffen meistens mit den Worten: „Halten Sie sich ruhig, sonstverderben Sie Alles." In dem letzten Briefe hatte er noch hinzugefügt: „Endlich binich auf der richtigen Fährte, haben Sie ein wenig länger Geduld." Es war eine schwereAufgabe für St. Lawrence, aber er mußte sich fügen. i
(Fortsetzung folgt.) ^
G o l d k ö r n e r.
Träume den Traum der Jugend so schön, daß wenn du erwachest,
Selbst die'Erinnerung noch liebliche Bilder dir malt!
Jugend streuet die Saat, das Alter sammelt die Garben;
Möge das Erntefest dir auch ein fröhliches sein!
Bilde vor Allem-das Herz; in's Reich deS Wahren und SchönenDringt dann lebendiger ein bildsam der strebende Geist!
Vieles zu wissen, es kann dir nützen, doch kann cS auch schaden,
Wenn du daS Viele nicht recht, oder das Rechte nicht weißt.
Bitter Wohl schmecket die Wurzel des Wissens, doch glaube, die Frucht istSüß und erquickt dich dereinst nach den bestandenen Müh'n!
Nicht für die Schule allein, für'S Leben lerne; ja weiterUeber die Erde hinaus dau're, was hier du erwarbst.
Nimmst du das Schwere zu leicht, wird nimmer es gründlich dein eigen;
Nimmst du das Leichte zu schwer, schaff'st die dir nutzlose Müh'».
Gleiche dem Schmetterling nicht, der müßig flattert: der BieneGleiche, die rastlos sich müht, bis sie die Zellen gefüllt.
Gib und vergib! Der Arme bedarf dein, du lind'rc die Noth ihm;
That man dir ttcülcs, vergib; ist es dir möglich, vergiß!
Sinken lasse dich nie, und sänkest du, raffe dich neu auf!
Strebst du zum Ewigen hin, wächst mit dem Muthe die Kraft.
F. Beck.
Weltkinder im Kloster.
Vor den Kunstmuseen in Berlin steht geschrieben: ^.rtsra non oäit nisi iximrus,b. h. auf Deutsch :
Die schöne Kunst hat Aller Gunst, . ' !
Wer gegen sie spricht, der kennt sie nicht. t
So geht es auch mit den Orden der katholischen Kirche. Die meisten von den ^Menschen, welche dieselben verlästern, thun es mehr aus Unverstand, als aus Bosheit,weil sie die Mönche und Nonnen nicht kennen.
Wie soll auch ein Mensch, der mitten in einem protestantischen Lande geboren underzogen ist, ein Kloster kennen lernen? In der protestantischen Schule, insbesondere imReligionsunterricht, hört er nur schimpfen auf die Papistischen Klöster, welche ihm alsBrutstätten der Trägheit, Dummheit und Unsittlichkcit hingestellt werden- In seinenliberalen Zeitungen liest er die Bestätigung dieses Urtheils. Und nun erst in den
Romanen — da sind ja die Klöster sammt und sonders wahre Schandhöhlcn und
Mördergruben. Da der also bearbeitete Mensch nun mit seinen eigenen Augen nie ein »
Kloster sehen kann, wenn ihn nicht ein sonderbarer Zufall hinführt, so stirbt er in dem »
Wahne, daß die Klöster schreckliche Institute seien. Falls der Mann in den Himmel ^
kommt, so wird er höchlich die Augen aufreißen, wenn er dort die frommen Patres >
trifft, welche auf ihrem Strohsack in der Mönchskutte selig entschlafen sind und nun von «Gottes Hand den Preis ihres bußfertigen Klostcrlebens empfangen. N