Ausgabe 
(7.11.1883) 89
 
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Es kommt nun aber gelegentlich doch einmal vor, daß sich ein Protestant oder ein"Nenhcide in ein Kloster verirrt, und sonderbarer oder vielmehr natürlicher Weiseändert sich dann sofort sein Urtheil, und er muß dann anerkennen, daß die Mönche,welche er getroffen hat, doch recht gute Menschen sind, ja sogar besser, als er selbst.

So z. B. erzählt uns ein Hauptmann aus Straßburg , wie er mit mehrerenandern Offizieren als Einquartierung in das Trappistenklostqr bei Oelenberg (Elsaß )gerathen ist. Die Schilderung des Klosters und seiner Insassen nimmt sich im Mundedes Soldaten sehr niedlich aus. Ueber den Einzug ims Kloster schreibt er:

Lächelnd versicherte der guartiermachende Offizier seinen jüngeren Kameraden, esbekomme Jeder eine besondere Zelle mit einem Todtcnkopf; tröstlicher klang schon dieNachricht, die Mönche hätten in: ersten Schrecken über unsere Ankunft gleich einen fettenOchsen geschlachtet, und die besorgten berittenen Herren wurden dahin beruhigt, daß dieStallungen vorzüglich seien.

Etwa eine Viertelstunde vom Orte entfernt, steigen aus dem Wiescnland die nörd-lichen Hänge des Dollerthalcs auf, anf deren sanftem Abfall das Kloster in fruchtbarenBanmgärten versteckt liegt. Es ist kein malerischer alterthümlicher Ban, sondern hohelanggestreckte Gebäude, im nüchternsten Stil gehalten, vereinigen sich zu einem unregel-mäßigen geschlossenen Ganzen, dessen Mittelpunkt die eben so einfache Kirche bildet.

Unten an der mit Kreuz und Marterwerkzeug geschmückten Mühle, die schon zumKlosterbesitz gehört, tauchen jetzt auch einige Klostcrbewohner auf, ernste Greise in braunenKutten, die, gefeit gegen alle Zerstreuung, sich um die ihnen gewiß fremdartige mili-tärische Erscheinung nicht kümmern, sondern eifrig weiter arbeiten. Einige Jüngereverfolgen neugierig den Zug, geben auf die Frage nach dem Eingang keine Antwort,sondern deuten nur unter freundlichen Geberden den Weg au. Mit dem ewigen Schweigenhat es also, wie es scheint, seine Nichtigkeit. Jetzt wird das hohe Eingangsthor sicht-bar, über welchem anf schmuckloser Holztafel den Eintretenden die Worte des heiligenLanrentins Justinianns grüßen:Lolitmcko eoeli jauuo,." (Einsamkeit ist die Pfortedes Himmels.)

Hier werden die reisigen Gäste vom Prior, der den hochbetagicn Abt vertritt,empfangen. Die mittelhohe, etwas vorgebeugte Gestalt ist mit einem schweren, weiß-wollenen Gewand bekleidet, von dem eine große Kapuze auf den Rücken fällt, um denLeib windet sich ein Strick, die Füße stecken in groben Holzschnhen. Das intelligentescharf geschnittene Gesicht berührt sympathisch, in freundlichen Worten wird der Will-komm gesprochen und der Bruder Gastwart, ein überaus dienstwilliger jüngerer Mönchin braunem Gewand, übernimmt das Geleite in den Gastbau. Das ist ein langer ein-stöckiger Flügel, den ein Corridor durchzieht, von welchem aus rechts und links zahl-reiche Thüren in die einzelnen Gaststübchen führen. Alle sind weiß getüncht, geradegroß genug für einen Mann, und enthalten außer dem bescheidenen Bett das nöthigeMobiliar. Ein einfaches Crucifix oder Marienbild schmückt die Wand, darunter hängtdie Hausordnung mit der Bitte an den Fremden, die Insassen des Klosters darin nichtohne Noth zu stören. Im Schweiße seines Angesichts rennt unser guter Mönch vonGelaß zu Gelaß, um nach den verschiedenen Bedürfnissen zu fragen; er ist für die Dauerunserer Angelegenheit von: Schweigen entbunden, nützt diese Freiheit aber nicht zumüßigem Geschwätze aus, sondern freut sich nur innig, wenn er die verschiedenen Fragennach Einrichtungen oder Persönlichkeiten seines Klosters beantworten kann. Eine Haupt-forderung des Ordens ist die Demuth und freundliche Dienstwilligkeit Anderen gegen-über, und wahrlich, dieser wenig gebildete Laienbruder ist das Ideal eines allzeit dienst-willigen Menschen. Alan spürt es ihm ordentlich an, wie er unser Dasein als eine will-kommene Gelegenheit benutzt, seine Pflichten in größerem Umfang ausüben zu dürfen;mit den gleich freundlichen Geberden dient er im wahren Sinne des Wortes vom frühestenMorgen bis zum spätesten Abend.