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diese Gemächer von Neuem eingerichtet werden,' mau soll sofort damit beginnen. DiesesNoth paßt nicht zu ihrer hübschen Erscheinung." Das neue Interesse schien den altenHerrn um mehrere Jahre verjüngt zu haben.
„Wir nannten immer „blau " die Farbe Leua's", erklärte Mrs. Dalton.
„Für ein Haus in der Stadt gefällt sie mir nicht; ich würde grün, ein mattesseegrün vorziehen. Das harmonirt besser mit der reichen Vergoldung und hebt alleGegenstände", entgegnete Lena.
Sie fühlte sich bei der Besprechung dieser Einzelheiten mehr zu Hause. Berthabetheiligte sich nicht an der Unterhaltung, sondern folgte schweigend den Uebrigen undbetrachtete mit Vergnügen die reichen Kunstschätzc, die allenthalben ninhcrstanden.
„Diese Räume habe ich immer benutzt, wenn ich in der Stadt anwesend war undich gedenke sie auch ferner für mich zu reserviren", sagte Lord Alphington, eine Thüröffnend, welche zu verschiedenen Zimmern an der Hinterseite des Hauses führte.
Das erste derselben schien die Bibliothek zu sein. Kaum hatten sie es betreten,als Lena plötzlich errathend ausrief: „O Bertha, sieh einmal hier!"
Diese blickte nach der Richtung hin, welche ihre Schwester bezeichnete und fuhrüberrascht zurück. Auch sie erröthete heftig, dann wurde sie leichenblaß und ihre Augenfüllten sich mit Thränen.
„Was gibt's, meine Damen?" frug Lord Alphington erstaunt. „Weshalb erregtdas Portrait meines unglücklichen Sohnes dieses außergewöhnliche Interesse bei Ihnen?"
Lena erlangte zuerst ihre Fassung /wieder; Bertha's Herz schlug stürmisch, siedurfte es nicht wagen, zu sprechen. „O, eigentlich ist es nichts", entgegnete erstere",„aber das Portrait gleicht Jemanden, den wir kennen, so auffallend, daß wir beidedarüber bestürzt waren."
„Wirklich, wer könnte das sein?" frug der Earl.
„Vermuthlich meint Ihr St. Lawrence", schaltete Mrs. Dalton em. „Ja, jetzt,wo ich das Bild näher anblicke, muß ich auch gestehen, daß große Aehnlichkeit vor-handen ist, namentlich in den Augen; auch der Mund und das Kinn, sogar die Farbedes Haares ist ähnlich. Aber ich fürchte, Lord Alphington wird sich nicht sehr dadurchgeschmeichelt fühlen", setzte sie mit etwas verlegenem Lachen hinzu. Es ist ein jungerKünstler, ein Landschaftsmaler, den wir zufällig kennen lernten. Ich war genöthigt,mir seine Besuche zu verbitten; es muß irgend ein Geheimniß über ihm schweben undMr. Faucourt sagte mir, er wünschte nicht mit ihm zusammen zu treffen."
„Ha!" stieß Lord Alphington hervor.
Als er sich von der würdigen Matrone wegwandte, erblickte er im gegenüber-liegenden Spiegel Bertha's Antlitz. Sie hatte sich etwas zurückgezogen. Ihre Wangenglühten und Thränen zitterten ihr in ihren Augenwimpern. Der Carl bemerkte, daßirgend etwas seinen kleinen Liebling, Bertha, traurig gestimmt habe und brachte selbst-verständnch den eben erwähnten Rainen damit in Verbindung. Gutherzig, wie er immerwar, betrübte es ihn, sie unglücklich zu wissen; auch hatte er sie magerer und blassergefunden, als da er sie zum ersten Male zu Larkspur gesehen. Er setzte kein großesVertrauen in die Ansichten seines Enkels und daß der junge Maler dem Portrait seinesSohnes so ähnlich sei, interessirtc ihn lebhaft. Er wünschte ihn, dessen Name eine soheftige Erregung in der sanften Bertha hervorgerufen hatte, kennen zn lernen.
„Ist der junge Künstler sehr talentvoll?" frug er Mrs. Dalton.
„O sehr, wie ich glaube, obschon ich keine große Künstkenuerin bin."
„Wollten Sie wohl die Güte haben, nur seine Adresse anzugeben? Ich wünsche,eine Landschaft für das Frühstückszimmer zu Alphington Park zu kaufen."
Die gutmüthige Mrs. Dalton gab die gewünschte Auskunft mit großem Vergnügen;der Earl uotirte sie und sprach nicht weiter darüber.
Bald nachher nahmen die Damen Abschied; sie bedurften einiger Stunden Ruhe,