Ausgabe 
(14.11.1883) 91
 
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Weg versperrt und von der Höhe deZ Berges meterlange Banmstücke in unregelmäßigenhohen Sprüngen znr Tiefe und glücklicher Weise ihm nur vor die Füße stürzen. Dasist eine Gefahr des Lebens, die man nicht gering schätzen soll. Wir passirtcn znrMittagsstunde, als eben die Triftkncchtc am Feuer sich ihre Kartoffel brieten und ihrMuß kochten, den gefährlichen Weg. Bewunderung und Staunen erregte die wildeSchönheit des Hannnersbaches an unserer Seite. Durch mächtige Felsblöcke, welche dieUnwetter von den Höhen herabgetragen, hat er sich sein Rinnsal gebahnt. DunkleTannen und frische Lanbholzbäume beschatten den Weg. Viele Jahre sind über siehinwcggezogen und wilden Stürmen und tosenden Winden haben sie Stand gehalten;nicht lange mehr und auch sie müssen der Axt der Menschen des eisernen Jahrhundertsweichen. Das sind prächtige Baumgruppcn hier und dort am Abhänge des Hochwaldes,alle werth, von dem Pinsel des Males verewigt zu werden. Wir meinen öfters ineinem englischen Park zu wandern.

Der Weg theilt sich und links führt ein Pfad znr Maxklamm, während znrrechten Hand ein nur mit Mühe zu findender Weg in vielen Krümmungen den steilenHochwald hinanführt. Dies ist der Weg zum Höllcuthal, schön und reizend wegen derhohen schattigen Tannen und der tiefen Stille, ringsherum, aber auch beschwerlich, eiltechterBcrgsteig" mit all den Reizen und Unannehmlichkeiten eines solchen. Nachdemwir eine Viertelstunde den Waldweg hinangestiegen, lichtet sich mit einem Btal dasTanuengczwcig und der Wanderer sieht die riesighohe Felswand des Wachsensteinsaus dem Thalgrund zum Himmel streben. In der Btitte der senkrecht abfallendenwild-romantischen Wand führt ein grüner Streifen mäßig empor.Meine verehrteGesellschaft, das ist der Weg, den wir passiren müssen." Entsetzlich, schrecklich, umGottes willen!" Solche Aufschreie des Schreckens aus Frauenmnnd unterbrachen dieeinsame Stille des Waldes. Selbst die Herren schauten verwundert und ängstlich hinaufzur steilen Wand und zum erschrecklichen Wege, der an derselben hinführt. Es kosteteviele gute Worte und wir bedurften fast der Beredsamkeit eines alten Feldherrn um denallseits erlöschenden Muth wieder anzufachen. Nach wenigen Minuten standen wir vorder Wand selbst.

Dieser Weg ist eigentlich kein Weg", soll irgendwo in Sachsen geschrieben stehen.Auch hier wäre eine ähnlich lautende Warnungstafel am Platze. Denn dieser Felswcgist kein Weg für all' Diejenigen, welche fürchten müssen, vom Schwindel befallen zuwerden, ist kein Weg für angeheiterte, lustige Gesellen, kein Weg für Kinder und schwachekränkliche Personen. Diesen empfiehlt es sich, den Fclspfad nicht zu versuchen, sondernvon hier den fast ungefährlichen Weg in's Thal von Grainau hinabzusteigen dennder eben zurückgelegte Waldweg läßt sich wohl aufwärts, aber schwerlich abwärts machen wenn sie es nicht vorziehen, sich hier auf's Sandgerölle zu setzen und auf demselbengeradewcgs zum Hammersbache hinabzuführen, wie es schon Bergführer und anderekühne Touristen probirt haben. Daß sie hiebet Schuhe und Hose eingebüßt haben,brauchen wir nicht zn bemerken.

Wir öffnen ein Weidengitter, das znr Abschlicßnng der Herden angebracht ist, undbetreten den gefurchteren Felsenpfad an der Wachsensteinwand. Er ist eine Viertel-stunde lang und '/z bis gut 1 in breit, ziemlich gut erhallen das Wasser hat nur aneinzelnen Stellen den Boden am Rande gelockert und führt gleichmäßig steigend denBerg hinan. Mit jedem Schritte wird die Wand unter uns höher. Ein prächtigesPanorama erschließt sich unserem Auge. Wir genießen einen herrlichen Einblick in'SLoisachthal. Tief zu unseren Füßen wälzt sich der Hammersbach schäumend und zischenddurch sein enges Felsenbett, darüber hinweg erblicken wir saftiggrünc Wiefentriftcn, um-rahmt von grünem Lanbholz. An den Abhängen hinauf liegen die dunklen Wälder.Hoch oben schauen die Bergriesen mit zackigen Felskronen geschmückt in die prächtigeLandschaft, iv.lche Loisach und Parrnach gleich Silberfäden durchströmen. Partenkirchcn