Ausgabe 
(17.11.1883) 92
 
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er, der Richtung ihrer Augen folgend.Dann sagen Sie mir für später einen Rund-tanz zu, Sie dürfen mir das nicht verweigern." Mit diesen bittenden Worten nahm erihre Ballkarte und schrieb seinen Rainen hin.

Bertha nickte zustimmend. Jetzt müssen Sie aber gehen", kündigte sie ihm an,die Pflicht ruft Sie."

Vorerst sagen Sie mir noch eins. Wird Fanconrt diesen Abend hierher kommen?"

Nein."

Die Bemerkung, daß Lena seine Begleitung nicht gewünscht habe, schwebte ihr aufden Lippen, doch unterdrückte sie dieselbe.

St. Lawrence schien ihre Gedanken errathen zu können, denn er fuhr in leisemTone fort:

Es wird Ihnen räthselhaft erscheinen, wenn ich Ihnen versichere, wie sehr esmich freut, daß das Herz Ihrer Schwester bei dieser Verbindung nicht bethcittgt ist."

Sie erschrecken mich", erwiderte Bertha ebenso leise.

Leider kann ich dies nicht verhindern und ich darf mich augenblicklich nicht deut-licher aussprechcn. Würde es Sie persönlich betrüben, wenn sich irgend etwas ereignete,wodurch diese Verlobung abgebrochen werden müßte."

Persönlich nicht", entgegnete Bertha, noch mehr beunruhigt.Meine frühereAbneigung gegen Mr. Fanconrt, und Sie wissen, wie heftig diese war, habe ich, wieich Ihnen wohl eingestehen darf, bis jetzt noch nicht überwunden. Doch Sie müssenwirklich gehen. Mrs. Newcombe schaut nach Ihnen aus."

Gott sei Dank, daß Sie doch in keinem Falle darunter leiden werden", flüsterteer ihr erleichtert zu und eilte dann zur Thüre, um die angekommenen Gäste in Empfangzunehmen und ihnen ihre Plätze beim Tanze anzuweisen. Berthablieb im höchstenGrade bestürzt allein zurück.

Später bat St. Lawrence auch Lena um einen Tanz, aber ihre Karte war voll-ständig besetzt er empfing diese Nachricht mit Aerger erregender Gleichgültigkeit.Bertha tanzte mehrere Male; doch noch öfter zog sie es vor, während des Tanzesplaudernd sitzen zu bleiben. Es war ihr nicht möglich, gleich Lena ohne Aufhören zutanzen.

Endlich erschien St. Lawrence und bat um den, versprochenen Walzer. In ihrbesorgtes Antlitz blickend, sagte er ihr, während er den Arm um ihre Taille legte, leise:Fassen Sie Muth- ich hoffe, daß Alles zum Besten gereichen wird."

Verschiedene deutsche Walzer, welche eigens für Liebende componirt zu sein schienen,wurden an diesem Abende gespielt. St. Lawrence und Bertha schwebten bei den herr-lichen Klängen einher, Alles, außer dem Glücke des Augenblickes vergessend.

Wenn es Ihnen angenehm ist, machen wir einen kleinen Spaziergang; der Gartenist wirklich reizend im Mondenscheine. Oder fürchten Sie sich?" frug St. Lawrence. ,

O nein, ich neige nicht zu Erkältungen."

Als sie durch eines der großen Bogenfenster auf die Terrasse hinaustraten, nahmer einen Shawl, welcher über der Brüstung hing, ohne sich weiter zu erkundigen, wemer zugehöre, hüllte seine Tänzerin hinein und führte sie die Stiege hinunter in denGarten.

Dort standen mehrere Gruppen scherzend und lachend beisammen. St. Lawrencegeleitete Bertha zu dem hübschen Laubengange; hier befanden sie sich allein. Der Mondergoß sein silbernes Licht durch die Bäume; das Murmeln der Stimmen und der Klangder Musik drang gedämpft zu ihnen hinüber. Während des Gehens unterhielten siesich über verschiedene Gegenstände, Bertha sprach in einem fort, als ob sie befürchte,baS Gestänbntß, nach welchem sie doch so sehnlichst verlangte, zu hören.

Ich muß Ihnen noch einen merkwürdigen Zufall erzählen. Wir waren heuteMorgen zu Magnus Square, Lord Alphington wünschte Lena's Ansichten in Betreff der