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entgegentreten, sein Geständnis; ablegen nnd sie gleichzeitig bitten, ihr Urtheil über ihnzu ändern.
Sieben unbzwan zig st es Capitel.
Der Tag so voller Aufregung für Lena, voll unaussprechlichen Glückes für Bcrtha,erwies sich für John, den Vertrauensmann Faucourt's, als ein Tag größter Geschäftigkeit.Er hatte Perkin's versprochen, sich nach dem Befinden der Mrs. Lemont zu erkundigenund so bald sein Herr weggeeilten war, machte er sich auf den Weg zum Landhause hin.
„Ich werde sehr spät zurückkommen", sagte Fancourt, nachdem er 4>as Pferdbestiegen.
„Zu befehlen, Sir. Dann haben Sie vielleicht nichts dagegen, wenn ich mich ineigener Angelegenheit zur Stadt begebe."
„Lauf meinetwegen zum Henker, nur mußt Du bei meiner Rückkunft wieder hiersein", lautete die freundliche Erwiderung.
„Danke schön, Sir", sagte John mit gewohntem Lächeln. Die Hände in derTasche schlenderte er zur Villa hin. Eliza, das Kammermädchen öffnete ihm die Thüre.
„Wie geht es Ihnen, meine Liebe?" frug John. „Doch das ist wohl eine über-flüssige Frage; Sie sehen so blühend und rosig aus wie das Band Ihres hübschenMorgcnhäubchens."
„Ha, Mr. John, welchen Unsinn Sie reden", schmunzelte Eliza. „Wollen Sienicht eintreten?"
„Nein, jetzt nicht, ich rief nur eben an, um mich nach dlnn Befinden Ihrer Herrinzu erkundigen, Mr. Perkin's sagte gestern sie sei unwohl."
„Heute geht es ihr noch viel schlechter; nach dem Frühstücke wurde sie sehr elendund bis jetzt ist es noch nicht besser mit ihr."
„War der Arzt nicht hier?"
„Mr. Faucourt meinte, ihr Unwohlsein sei nicht von Bedeutung."
„Ah so. scann ich Ihnen etwas in London besorgen? Vielleicht einen Auftragan den Hcrzensschatz?"
„Haha, was Sie für ein Mann sind'." kicherte Eliza. Ob sie aber eine derartigeBestellung zu machen habe, blieb ungewiß, da das Zwiegespräch durch Mr. Perkin'sHinzutreten unterbrochen wurde. Eliza zog sich in's Haus zurück.
Perkin's sah sehr gcheimnißvoll aus; er nahte auf den Fußspitzen und blintzeltefürchterlich mit dem linken Auge.
„Ich habe ihn", flüsterte er, „er kam diesen Morgen."
„Wer denn?" frug John mit vortrefflich geheucheltem Erstaunen.
„Nun, ein Brief von jenem Mr. Pierre", antwortete er, vorsichtig um sich schauend.„Hier ist, was Sie gerne haben wollten." Er zog ein zerknittertes Stückchen Papier ,auf welches ein Name gekritzelt war, aus der Tasche.
John nahm es gleichgültig in die Hand und sagte, den Streifen einsteckend: „Ahso, der Poststempel, wie ich sehe, jetzt erinnere ich mich. Ich habe mit Bedauern gehört,daß es Ihrer Herrin heute Morgen noch nicht besser geht."
„Ganz und gar nicht", entgeguete Perkin's trocken. Daß seine Mittheilung scheinbarmit so wenig Interesse aufgenommen wurde, hatte ihn verletzt. >
Auf die Uhr blickend sagte John: „Ich muß mich aus den; Staube machen, ichhabe mir Urlaub genommen, um zur Stadt zu fahren. Morgen gedenke ich mich wiedernach dem Befinden hier zu erkundigen."
„Thun Sie das. Mr. Faucourt wollte noch heute Abend anrufen. Er müssedurchaus zur Stadt, betheuerte er meiner Herrin."
„Jawohl, diese Versammlungen nehmen sehr viel Zeit in Anspruch. Leben Siewohl und pflegen Sie sich gut; brave Leute sind selten geworden auf der Welt."
„Verlassen Sie sich darauf", lachte Perkin's aus vollem Halse. „Ich werde es