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mir an nichts fehlen lassen." Seine breite Gestalt füllte ungefähr den Thorweg aus.
„Nein, nein, da sind Sie viel zn schlan zu — eh, Mr. Perkin's, guten Morgen!"John ging eiligst von danncn und sein Freund blickte ihm, vergnügt ein Liebchenpfeifend, nach.
John hatte schon am frühen Morgen nach dein kranken Hunde gesehen, jetzt kehrteer znm Wirthshanse zurück und wartete eine günstige Gelegenheit, wo sich Niemand inder Nähe befand, ab; dann nahm er Jnno auf seine Arme, trug sie nach dem Stations-gebäude und fuhr mit dem ersten Zug nach London .
Dort angekommen, bestieg er eine Droschke und hielt mit dem armen kranken Thierean einem Hanse, auf welchem der Name: „Cornelius Fergns, Thierarzt" in goldenenBuchstaben zu lesen war.
(Fortsetzung folgt.)
Das Münchener Faust-Drama von 177», ein Tiroler Drama?
(Studie von I. Sceber.)
I.
Es werden bald dreihundert Jahre, seitdem das erste Faust-Buch die einzelnenSagcnzüge von Doctor Faust zu einem Ganzen vereinte. Der Frankfurter BuchdruckerSpieß veranstaltete 1587 die erste Ausgabe. Mit reißender Schnelligkeit verbreitetees sich über Deutschland und in Nachdrucken und Uebcrsctzungen über ganz Europa . Diekrankhaften Ideen der Zeit fanden darin ihren Ausdruck; der Titanentrotz des Alterthums,der neuen Zeit überströmender Drang nach Erkenntniß und Genuß kamen zum Worte.
Die erste Dramatisirnng der Sage ging von England aus. Der kaum 25jährigeMarlowe war es, der sein Genie an dem riesenhaften Stoffe versuchte, sowohl weil erfühlte, wie viele fruchtbare dramatische Ideen darin keimten, als weil er — wie späterGoethe — sich selbst, seine eigene innere Zerrissenheit in Fünftens Bilde spiegeln konnte.Marlowe's Dichtung hatte ungeheuren Erfolg; schon 1588 erschien eine englische Faust-Ballade, das Drama selbst erlebte Auflage auf Auflage, und jede neue Ausgabe erhieltmannigfache Zusätze. Durch die englischen Komödianten scheint Marlowe's Faust aufdie deutsche Bühne gebracht und so der Grund znm Volksschauspiele gelegt worden znsein. Beliebt wie kaum ein zweites Stück, ging „Faust " über alle deutschen Bühnen.Zwar wechselten im Laufe der Jahrhunderte Hülle, Ton und Farbe des Drama's;locale Beziehungen, Zusätze, Umgestaltungen nahmen überhand, aber der Kern blieb der-selbe. Am tiefgreifendsten waren wohl die Veränderungen, welche der italienische Einflußdurch die Wiener Komödie in der Dramatisirnng der Faustsage hervorrief: ich meinedie enge Verbindung der komischen und tragischen Scenen. „Hierdurch wurde in diealte Fanst-Komödie ein ganz neues Moment hineingetragen: der lustige in seiner Be-schränktheit behagliche Hanswurst trat in einen parodiftischen Gegensatz zn dem hiinmel-anstrebendcn Faust. ... Es entstand eine Fülle von neuen Situationen, in denenHanswurst bald seine eigene hausbackene Weisheit dem kühnen Fluge der GedankenFanst's entgegenstellt, bald auch auf seine Art sich mit unheimlichen Höllenmächten aus-einandersetzt, mit denen er bei all' seiner Beschränktheit besser fertig wird, als der ge-lehrte Professor." °)
So verändert fand Goethe den Sagcmtofs, den er zn seine»: großartigstenGedichte gestaltete, und manche räthselhafte Züge seines Faust werden klar durch dieBegleichung des Volksschanspieles. Diese Beziehung rechtfertigt das Interesse, das manseither der Erforschung der Pnppenspiele zugewandt hat, welche aus dein alten Volks-