Entfernung, Helena sein Bleiben: Faust ringt, Mcphistophcles siegt, Jthuricl und diebeiden Alten weichen.
Den vierten Aufzug eröffnet im gedruckten Stücke ein Ballet, genannt der„Zaubcrpalast der Liebe." Im Manuscript ist dies entfallen. Die Scene beginnt so-gleich mit dein Erscheinen der feurigen Schrift auf dem dunklen Hintergründe: „Faustes wird Abend". Faust bebt. Jthuricl warnt ihn. „Morgen" will Faust anderswerden, der Engel mahnt ihn an's Heute. Da er das harte Herz nicht erweichen kann,holt er anf's Neue die Eltern Faust's.**) Sanft und eindringlich reden die Beidenzu ihm, der Sohn wird gerührt und will ihnen folgen; auch Helena, die nun erscheint,soll mit ihm in sein väterliches Haus ziehen. Da macht anf's Neue Mcphistophcleseinen Strich durch die Rechnung: er erscheint, Faust's Knaben an der Hand, und er-klärt, daß die Zeit des Bundes nahezu abgelaufen, Faust könne sich ihm nicht entreißen,sein Knabe bleibe als Geisel bei ihm. Helena und Faust flehen den Teufel um Gnadean. Er bleibt unbeweglich. Die Eltern Faust's entfernen sich hoffnungslos, Faust eiltihnen nach, sie zum Bleiben zu bewegen. Unterdessen weiß Mephistopheles Helena zubeschwatzen. Es liegt ihm daran, Faust's Vater zu beseitigen, weil er seinen Einflußnoch in letzter Stunde fürchtet. Helena soll, um dadurch, wie ihr der Teufel vormacht,Faust und sich zu retten, den Alten ermorden. Nach langein Sträuben nimmt sie denDolch und verspricht Faust die Rettung.
Im fünften Auszuge drängen sich die Ereignisse. Zwar bedarf es noch ein-mal der Schlangenklugheit des Mcphistophcles, um Helena zur Ausführung des Ver-brechens zu bewegen. Das Hohngelächter der Hölle folgt ihrem Entschlüsse. Auch Faustgegenüber legt der Teufel die Maske ab. Offen sagt er ihm: „Wisset, Menschen, wirsind eure geschwornen Feinde; wir arbeiten nur, euch zu stürzen und euch zu Mitver-brcchern und Gefährten unserer Pein zu machen." Faust solle sich selber tödten, ersolle den Giftbecher trinken, zum ersten Male den „Nektar der Hölle" kosten — sonst „reißeer ihn durch die Gemächer" gewaltsam fort. Faust verliert die Hoffnung, er hört nichtmehr auf die leise Stimme iu seinem Innern, er trinkt das Gift. -Helena vollbringtunterdessen die blutige That; sie verwundet den Alten schwer, sein Schrei dringt anFausten's Ohr. — Helena stürzt sinnverwirrt herein, sie glanbt Faust gerettet zuhaben und hört nun, daß er Gift getrunken. Da stößt auch sie sich den Dolch in dieBrust. Faust's todtwundcr Vater schleppt sich, oder kriecht vielmehr herein; die Wortedes Sterbenden, der seinem Sohne und seiner Mörderin vergibt und Beide auf die Gnadedes Himmels verweist, dringen tief in die Herzen Beider. Die Feindesliebe des Vaterszieht Gottes Erbarmung nieder. Faust und Helena bitten reumüthig um Gnade. DerAlte stirbt, die Uhr schlägt zwölf, Faust ruft: „Gnade! Gnade!" und: „Sie fallen ein-ander in die Arme und Alles ist unbeweglich."
Mcphistophcles erscheint in fürchterlicher Gestalt, von Furien begleitet. Schonglaubt er triumphiren zu können, da tritt ihm Jthuriel's lichte Gestalt, umgeben voneiner Schaar Engel, entgegen, und der Engel verkündet, daß die Barmherzigkeit Gottesdie Unglücklichen gerettet habe. „Er nimmt die Reuigen in seinen väterlichen Schooßauf und stürzt euch, verfluchte Verführer, in die ewige Hölle."
Mit dem Sturze des Teufels endet das Stück.
Man sieht aus dieser Inhaltsangabe, daß man dem Verfasser des Drama's eingewisses dramatisches Geschick nicht absprechen kann. Die Charaktere sind gut umschrieben,die einzelnen Scenen werden innerlich begründet und der sichtbar-unsichtbare Kampfzwischen dem guten und dem bösen Engel, läßt die Handlung nie stille stehen. Einzelne
**) Im gedruckten Texte fehlt diese Andeutung. Faust's Eltern erscheinen ohne das Ein-greifen des Engels.