Ausgabe 
(21.11.1883) 93
 
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Partiell wie Fanst's Seelenkainpf, ob er seinen Eltern folgen oder bei seiner Geliebtenbleiben soll sind sogar von höchster dramatischer Kraft.

Liegen die Elemente hiezn auch schon im Volksschanspiele vor, so hat hier derDichter doch seinen besonderen Antheil.

Wer ist nun der Verfasser der Münchener Drama's?o Auf dem Titelblatte des mir vorliegenden Manuscriptes steht unten:Holt llo-

i sexstus Haas, Ost/ruiAus (oio!) a. Taut'srg." Nach den gütigeil Mittheilungen desHerrn Fauster, Dechant's in Täufers (Pnsterthal), wurde unser Joseph Haas , derSohn des Chirurgen Michael Haas in Sand, geboren am 7. Februar 1755 und starbals Chirurg von Täufers am 29. März 1815. Somit wäre Haasin den Faust-Jahren", im zwanzigsten Jahre gewesen, als er das allegorische Faust-Drama schriebund zu München edirte.

Allein die Sache ist nicht ganz so Plan, wie sie auf den ersten Blick erscheint.

Einmal ist das Manuscript nicht Original, sondern Abschrift, wahrscheinlich derMünchener Vorlage. Besonders deutlich geht das aus einem sofort corrigirten Schreib-verschen im vierten Aufzuge, dritten Auftritte hervor, wo man merkt, lote der Schreiberzu früh aus der einen in die andere Zeile der Vorlage gekommen.

Sodann erscheint das Manuskript gegenüber dem Drucke an ein paar Stellengekürzt. Es wurde schon bemerkt, das; das Ballet, genanntDer Zanberpalast derLiebe", am Beginne des vierten Auszuges (S. 48 und 49 des Druckes) in der Hand-schrift entfallen ist. Demgemäß entfielen auch im Pcrsouenverzeichnisse dieTänzer undTänzerinnen". Ebenso kennt das Manuscript nur siebenCharaktere";Gräfin Schönheit-lieb, eine Kokette", und Graf Sorgenvoll, ein Günstling", fehlen, somit auch der fünfteund siebente Auftritt des zweiten Actes im Drucke.

Folgt nun daraus, daß Haas nur der Abschreiber lind Vcrkürzer des Münchener Druckes war? Ich glaube nicht. Was die Kürzungen anlangt, erklären sich dieselbenganz leicht daraus, daß das Stück zur Aufführung auf einer primitiven und beschränktenBanernbühne bestimmt war. So mußte vor Allen; dasBallet " entfallen, dessen Dar-stellung scenische Apparate und geübtere Leute forderte, als die Bauernbühne zur Ver-fügung hatte. Das Auslässen der zwei genannten Charakterfiguren hat noch wenigeraus sich. Die betreffenden Scenen find alle von; nämlichen Schlage; je nachdem sicheine Anzahl von brauchbaren Darstellern fand, konnten dieseCharaktere" vermehrt oder! vermindert werden, ohne daß der Zusammenhang oder der Gang des Stückes in; Geringstenalterirt wurde. Darum scheint mir unsere Handschrift speciell für die Bühne in St.

! Georgen geschrieben worden zu sein. Darauf deuten auch mehrere Randbemerkungen für, die Actcurs hin, die den; Drucke fehlen, lind zwar datirt das Btannskript aus einer

! Zeit, wo das Drama bereits im Drucke erschienen war; dem; Haas wirdChirnrgus"

f genannt, was er mit zwanzig Jahren noch nicht war. Die Abschrift weist sodann aufTaufer's hin, denn der Umschlag enthält Notizen über Bewohner von Achornach (bei^ Täufers) und Sand (in Täufers). Ebenso scheint die Orthographie, namentlich dieSchreibung der Vocale, in das Taufererthal zu führen. Leider hat der Herausgeberdes Münchener Druckes die Schreibweise modernisirt, so daß ein Vergleich hier nichtmöglich ist. Nur ein Ausdruck ist stehen geblieben:Schaubhütte" (zwei Mal in; drittenAufzngc, fünfter Auftritt). Das Wort gehört in dieser Form wohl speciell Tirol au,bei Schmeller findet es sich nicht.

Ein anderer.Umstand endlich scheint mir direct darauf hinzuweisen, daß mffereHandschrift nicht von; Münchener Drucke, sondern von der Originalhandschrift des Stückesabgeschrieben wurde. Es ist dies die eigenthümliche Nummerirung. Nicht die Seitenoder Blätter werden gezählt, sondern je zwölf Seiten haben ihre fortlaufende Nummer.Daß diese Zählung nicht mit den Bogen des Druckes stimmt, ist selbstverständlich; zu-dem wurden in Drucken bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts zu dieser Zahlung