Ausgabe 
(24.11.1883) 94
 
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nach einer Pause. Nach seiner äußeren Haltung zu schließen, hatten die verschieden-artigsten Gefühle seinen Geist durchkreuzt.

Es ist mein sehnlichster Wunsch und heißestes Gebet, daß es so sein möge."

Während der junge Mann dieses mit Nachdruck aussprach, faltete er seine Hände,stützte die Ellenbogen auf die Kniee und erhob seine Augen mit einem Blicke tiefster Ver-ehrung, fast Zärtlichkeit zu dem Antlitze des alten Herrn empor.

Seltsam sehr seltsam", murmelte dieser und fügte dann laut hinzu:Ichwill mich nicht in Ihr Vertrauen drängen, dazu habe ich kein Recht. Aber darf ichSie bitten, falls Sie eines Freundes oder einer hülfreichen Hand bedürfen sollten, uindie Verschlingnngen Ihres Schicksals lösen zu helfen, nie zu vergessen, daß Sie diesenFreund immer und alle Zeit in mir finden werden, sowohl um deffentwillen, der nichtmehr ist, als auch einer Anderen wegen, für die ich die innigste Zuneigung hege?"

Ihre Güte rührt mich tief, Mylord", erwiderte St. Lawrence, ohne jedoch dieletzte Andeutung des Earls verstanden zu haben.Eins fühle ich mich jedoch meinerselbst wegen verpflichtet, Ihnen zu sagen, obgleich ich nur mein Ehrenwort als Bürgeder Wahrheit anführen kann. Wenn mein vergangenes Leben vor Ihren Blicken enthülltwürde, so dürfte ich dies ohne erröthen zu müssen, geschehen lassen. Daß ich mich jetztin dieser zweifelhaften Lage befinde, ist die Schuld Anderer, nicht meine eigene." Betdiesen Worten richtete er sich stolz in die Höhe, und aus seinen Augen brach jener ehr-liche feste Blick hervor, dem gegenüber Mrs. Dalton sich öfters so kleinlich und unbe-deutend vorgekommen war.

Ich glaube Ihnen unbedingt", sagte Lord Alphington, ihm die Hand reichendund mit Bewunderung den schönen, edel aussehenden jungen Mann betrachtend.Siemüssen mich zu Alphington Park besuchen, unsere Bekanntschaft darf hiermit nicht enden."

Der Earl begab sich zu seinem Wagen, erstaunt, verwirrt und im höchsten Gradetnteressirt.Ah, wenn die Vorsehung mir diesen jungen Künstler als Enkel zugeführthätte, wie stolz und glücklich würde ich sein."

N e u uun d z w n n z t g st e S Capitel.

Nach seiner Schwelgerei erwachte Fancourt in einem Zustande größter Verzagtheitund schlechtester Laune. Er verwünschte den immer gleichmüthigcn John und vergoß,noch immer nicht nüchtern einige Thränen über sein Elend. Das Frühstück schickte erunberührt hinweg und verlangte anstatt dessen Branntwein mit Sodawasser. Dann spracher die Absicht aus, nach London zu fahren. Er konnte ohne Lena nicht mehr leben.Noch ein Tag und sie war die Seinige; in ihrer Gesellschaft glaubte er vor den Furien,welche ihn verfolgten, sicher zu sein.

John war schon am frühen Morgen aufgestanden und hatte bereits einige Aus-flüge in die Nachbarschaft gemacht.

Werden Sie nicht in dem Landhausc anrufen, Sir?" frug er, seinem Herrn Hutund Handschuhe hinreichend.Wie ich höre ist Mrs. Lemont nicht wohl."

Mit einem vnlkanartigen Ansbruch von Flüchen verwünschte Faucourt das Land-haus, Mrs. Lemont und John. Dann schritt er eiligst dein Stationsgebäude zu. Alssie auf dem Perron standen, befahl er seinem Diener, Alles zur Abreise bereit zu machen,da sie Morgen früh nach Magnus Sqnare zurückkehren wurden.

Es ist eine verflucht langweilige Geschichte Lord Alphington und diese Langley'ssind schon dort. Noch ein Tag und ich bin diese lästige Gesellschaft doch einstweilenlos. Wo ist die Juno?" frug er, da John auf die letzte Aeußerung keine Antwort gab.

Sie war sehr schlecht, Sir, und so hielt ich es für am Besten, sie während IhrerAbwesenheit bet Seite zu schaffen", erwiderte dieser ohne Zögern.

Faucourt schimpfte ihn einen naseweisen Burschen, schien aber doch mit der Nachrichtzufrieden zu sein.