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Der Zug brauste heran und Fauconrt sprang in ein Coupö. Während er sichniedersetzte, stieg noch ein.Herr in denselben Wagen ein; dieser hätte, seinem Acußernnach zn urtheilen ein Minister, vielleicht auch ein Schullehrer sein können. Ohne Fau-court die geringste Aufmerksamkeit zn schenken, nahm er ein Zeitungsblatt zur Hand undbegann zu lesen.
Als jedoch der Zug an der Victoriastation anlangte und Fauconrt eine Droschkenahm, um nach Joy Cottage zu fahren, miethete sich der Herr ebenfalls einen Wagenund folgte ihm in einiger Entfernung. Und am Abende befand sich der Fremde aufdemselben Zuge, mit welchem Fauconrt zurückkehrte. Doch dieses Mal in einem anderenCoupö.
John verfolgte den Zug eine Zeit lang mit den Augen, dann schritt er auf ein inkurzer Entfernung gelegenes Haus zn. Seine Geschäfte dort nahmen ihn nur wenigeAugenblicke in Anspruch, denn schon bald nachher schlug er den Weg zum Landhanseein. Perkin's öffnete die Thüre und gleichzeitig steckte Eliza den Kopf zum Wohnzimmerhinaus. Beide sahen blaß und furchtsam aus.
„O, Mr. John, ich bin Ihnen so dankbar, daß Sie gekommen sind", sagte Pcr -kin's. „Meine Herrin ist sehr krank, es muß durchaus Jemand den Doctor rufen, aberdas thörichte Mädchen da ist zu bange, allein hier zu bleiben. Wollen Sie nicht hin-gehen, Mr. John?"
„Gewiß, recht gerne, doch bin ich selbst, so eine Art von Doctor. Darf ich IhreHerrin einmal besuchen?"
„O bitte, kommen Sie herein, Mr. John!" rief Eliza, die Augen mit der Schürzeabtrocknend aus. „Sie stirbt, — ich bin sicher, daß sie stirbt. Was sollen wir nunanfangen?"
Stl — Machen Sie kein Geräusch, mein gutes Mädchen."
Mrs. Lemont lag angekleidet auf dem Sopha; sie war mit Ausnahme einesbrennend rothen Fleckens auf jeder Wange leichenblaß, der Mund verzerrt und großeSchweißtropfen standen auf ihrer Stirne.
„Seit dem Frühstück ist sie schon zweimal ohnmächtig geworden; sie konnte vorUebelkeit nichts genießen."
„Holen Sie sofort den Arzt, Mr. Perkin's. Ich werde bei Ihrer Herrin bleiben."
Perkin's froh, der Verantwortung überhoben zn sein, schlüpfte in seinen Rock.
„Geben Sie mir vorerst etwas Branntwein", bat John. Wir gaben ihr davon,da er versicherte, das würde ihr gut thun."
„Haben Sie keinen anderen im Hause?"
„Doch, in jenem Schranke befindet sich vermuthlich noch etwas", erwiderte Per-kin's, sich im Stillen wundernd, weshalb John eine andere Flasche wünschte. DasBüffet stand offen und er nahm eine kleine Caraffe, in welcher sich noch ein kleinerNiest Branntwein vorfand, heraus. „Mr. Fauconrt sagte, dieser tauge nichts", bemerktePerkin's, sie zögernd hinreichend.
„Es ist schon gut, beeilen Sie sich nur." John begann nun die Schläfe undHände der unglücklichen Frau mit der Flüssigkeit einzureiben.
Nach und nach kehrte etwas Farbe in ihr Gesicht zurück, langsam öffnete sie dieAugen und da sie John erblickte, verminderte sich der leidende Ausdruck ihres Gesichtesund sie murmelte schwach: „Verlassen Sie mich nicht, Ihnen kann ich vertrauen! Ichhabe sonst Niemanden!"
„Bis der Arzt kommt, werde ich bei Ihnen bleiben, Madame; versuchen Sie etwashiervon zu nehmen." John putzte nun sorgfältig das Glas aus, welches auf dem Tischestand und schüttete den Brantwein aus der Caraffe hinein; dann hob er ihren Kopf indie Höhe und hielt ihr das Glas an die Lippen. Sie schlürfte ein wenig davon, esschien ihr gut zu thun.