„Äugslmrger Postzeitung."
Nr. 95.
Mittwoch, 28. November
1883.
Der Gpalrrng.
Roman aus dem Englischen von E. C.
(Fortsetzung.)
Etwas Farbe kehrte allmälig in das Gesicht der Kranken zurück, sie erhob ihreHand und putzte sich die Schweißtropfen von der Stirne.
„Sie frugen mich, was Mr. Faucourt mir ist", begann sie klarer, als sie bisjetzt gesprochen. „Er ist mein Tyrann, mein Verfolger — und ich bin seine Frau!"
„Seine Frau? Um's Himmels Willen!" rief John aus, welcher vor Erstaunenbeinahe die Tasse hatte fallen lassen.
„Seine Frau! Dann hatte er allerdings einen Grund."
„Welchen denn?" stieß sie mühsam und seinen Arm ergreifend hervor. „SagenSie es mir, ich will es wissen."
„Sie werden es nur schon zu bald erfahren müssen und daher darf ich es Ihnenauch wohl mittheilen." Und nun erzählte John der armen Kranken mit mehr Milde,als man ihm zugetraut haben würde die Untreue ihres Gatten und wie schon nach zweiTagen seine Vermählung mit Madcliue Dalton stattfinden solle.
„Der Schurke! Ich vermuthete es; der gemeine, grausame, niederträchtige Schurke!"kreischte sie außer sich vor Wuth. „Sie hassen ihn auch, helfen Sie mir, mich zu rächen!"Mit eisernem Griffe umklammerte sie seinen Arm.
„Gerade deshalb bin ich hier, um allen Denen, welchen Unrecht zugefügt wordenist, zu ihrem Rechte zu verhelfen."
„Sie?" rief Mrs. Lemont, erschreckt seinen Arm fahren lassend, aus; sie wußtesich seinen veränderten Ton nicht zu erklären. „Wer sind Sie denn? Was sind Sie?"
„Ich bin ein Geheimpolizist", erwiderte er ernst, seine schwarze Perrncke abnehmend.„Mein Name ist John Riggs."
Mrs. Lemont stieß einen Schrei aus und warf sich ihm zu Füßen.
„Gnade! Gnade! — Ich will Alles bekennen."
„Es ist durchaus nicht meine Absicht, Ihnen irgend einen Schaden zuzufügen",sagte Riggs, sie vom Boden erhebend und auf's Sopha legend, „obgleich ich Ihnen zumeinem Bedauern mittheilen muß, daß Sie sich als verhaftet zu betrachten haben, undich mache Sie darauf aufmerksam, daß alles, was Sie bekennen, als Zeugniß gegenSie verwandt werden wird."
„O, daran liegt mir nichts! Was frage ich darnach, was aus mir wird, wenner nur die verdiente Strafe erhält! Ich will auch den Ring geben, ich habe ihn. Ersollte mir im Nothfalle als Beweis gegen ihn dienen und ich will Alles sagen, — Alles— Alles."
In Ihrer fürchterlichen Aufregung hatte sie ihre Kräfte überschätzt. Mit bleichen