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sagt in seiner Macrobiotik d. h. in der Kunst lange zu leben: „Wenn ich daS Natür-liche (Physische) am Menschen beobachte, so behauptet Friedrich der Große , sokömmt es mir vor, als hätte uns die Natur mehr Zu Postillon' s alsAnsitzenden Gelehrten geschaffen." — Dieser Ausspruch ist vollkommenwahr. Mechanische Arbeit ist aber eine der besten Körperbewegungen. Allzu oft aberfindet der Mensch in der körperlichen Arbeit viel zu wenig Genuß und im Genusse allzn-tvcnig Arbeit.
(Schluß folgt.)
M i s e e H e 11.
(Von der verschwenderischen Pracht,) welche am Hofe König Friedrichdes Ersten herrschte, erhält man einen ungefähren Begriff, wenn man dem Berichtfolgt über die Feierlichkeiten, welche am Berliner Hofe stattfanden, als der König imMai 1700 seine Tochter mit dem Erbprinzen von Hessen verheiratete. Einen Mvuatfast dauerten die Hoffestc. Alle Kleider, welche dazu getragen wurden, waren aus Frank-reich, die Tonkünstler, Sänger und Schauspieler aus Wien, Paris und Dresden ver-schrieben. Der Anzug der Braut kostete vier Millionen Thaler und wog einen Zentner,weßhalb sechs Kammerfränlein, die noch voll zwei Endelknaben unterstützt wurden, dieSchleppe tragen mußten. Die Tafel, an welcher der Hof speiste, ward mit 500 Ge-richten besetzt, und diese Besetzung geschah in einer halben Stunde, während welcher Zeitder Küchenmeister noch 86 andere Tafeln zn versorgen hatte, denn an so vieleil Tischenspeisten die Gäste. Bei solcher Wirthschaft waren Steuern auf Steuern unvermeidlich.Blau besteuerte schließlich sogar die Perücken. Jeder Perückenträger mußte je nach Be-schaffenheit der Perücke 6— 25 pCt. Steinpel zahlen. Ein Franzose hatte diese Abgabegepachtet, und nicht selten kam es vor, daß Jemand auf der Straße angehalten underst die Perücke, welche er trug, auf den Stempel geprüft wurde. Damals standen dieGrafen Wartenberg, Wartenslebcn und Wittgcnstein an der Spitze des Staatswesens undim Stillen sagten die Brandenburger, mit Bezug auf die gleichen Allfangsbuchstabendieser drei Namen: „Uns drückt ein dreifaches Weh!"
(Ein Dokument fürstlicher Zechkunst.) Der Kurfürst Christian II. vonSachsen, ein gewaltiger Zecher, hatte den Herzog Heinrich von Braunschweig nach Gommern zum Trinkkampf eingeladen, war aber von diesem überwunden worden. Darüber be-richtete ein Zettel, den man noch bis zum Anfang dieses Jahrhunderts an der Wandder kurfürstlichen Trinkstube in Gommern über den zum Gelage benutzten Tisch sah, infolgender Weise: „Anno 1605, den 6. Septem., haben allhier zu Gommern die Meißnerzum Beschluß den Braunschweigischen entlaufen müssen und ihnen Keines mehr Bescheidthun können. Zur Wahrheit bezeuge ich Untengesctztcr mit meiner eignen Hand suff datowie oben stehet. Henricns Julius, Hertzog zn Brannschweig und Lüneburg ."
(„Endlich.") B. hatte seine Frau durch den Tod verloren, und sah dadurcheinen buchstäblichen dreißigjährigen Krieg beendet. Am Tage nach der Beerdigung be-gegnet er einem lieben Freund, der außer anderen guten Eigenschaften auch die besaß,daß er bisweilen Verse machte. „Höre, guter Freund, du könntest mir irgend einenhübschen Vers, ein Epigramm, eine Strophe machen, um sie aus das Denkmal zu schreiben,welches ich meiner Frau setzen will." — „Nichts leichter als dies," sagte der Freund.„In solchem Fall, wie im vorliegenden, ist die kürzeste Inschrift stets die beste. DasDenkmal erhalte die Inschrift: ,Eudlickst."
(Der sparsame Patriot.) Rentier A: Hatten Sie anläßlich des National-festes Ihr Hans auch beflaggt, Herr Doktor? Doktor B: Ei natürlich — ich ließ ausdiesem Grunde meine — Wetterfahne neu lackircn.
Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag t«KLiternrischen Instituts von Dr. Max Hnttlcr.