Ausgabe 
(5.12.1883) 97
 
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Morgen mit der Nachricht der Entlarvung und Verhaftung zu mir und so eilte ich aufder Stelle hierher."

Ich bin Ihnen sehr verbunden", sagte der Earl, dann frug er weiter:Sowissen Sie auch wahrscheinlich nicht, weshalb mein Enkel sich St. Lawrence nannte?"

Mylord, ich weiß durchaus nichts über ihn", lautete die vorsichtige Antwort desNechtsanwaltes. Dieser schien zu befürchten, er könne von Neuem hintergangen werden.Darf ich bitten, mich jetzt für den Fall, daß Sie keine weiteren Befehle haben, zu ent-lassen, da ich Jemanden in einer wichtigen Sache sprechen muß."

Lassen Sie sich nicht stören; augenblicklich ist ja weiter nichts zu besorgen. Ichwerde meinen Enkel aufsuchen und Ihnen dann fernere Mittheilung machen."

Es ist mir unendlich leid, Mylord, Sie so unbedachtsamer Weise zu diesemgroben Irrthum verleitet zu haben. Von Herzen hoffe ich, daß Sie mir verzeihen werden."

Gewiß gewiß", entgegnete Lord Alphington ihm die Hand reichend.Ichbin äußerst dankbar, daß dieses ruchlose Complot aufgedeckt worden ist, ehe neue Ver-wickelungen stattfinden. Guten Morgen!"

Sobald der Nechtsanwalt sich empfohlen, ließ der Earl Sir Stephan zu sichbitten. Die beiden alten Herren blieben über eine Stunde im Bibliothekzimmer zusammen,-dann wurde der Brougham angespannt und Sir Stephan fuhr nach Joy Collage. Ihmwar der Auftrag geworden, die peinliche Nachricht in der schonendsten Weise dort mit-zutheilen.

Zweiunddreißigstes Capitel.

Mrs. Dalton hatte den Besuch Sir Stephan's und Lady Langley's erwartet;dennoch wunderte es sie nicht, ersteren allein cmssteigen zu sehen. Sie wußte, daß LadyLangley die seltene Gelegenheit, wo sie in der Stadt verweilte zu ihren vielen Einkäufenbenutzte und war im Grunde genommen nicht ungehalten, das Wiedersehen mit dieserDame bis nach der Hochzeit, wenn alle Erörterungen nutzlos seien, aufgeschoben zu wissen.

Auch das ernste Gesicht des alten Herrn verursachte ihr keinen Schrecken. Siewar davon überzeugt, daß ihr zukünftiger Schwiegersohn weder ein Liebling der Lang-ley's, noch Lord Alphington's sei und so vermuthete sie, Sir Stephan werde nur höchstungern die Vaterrolle übernehmen und Lena diesem Bräutigam übergeben.

Mrs. Dalton saß auf ihrem gewohnten Platze und Sir Stephan ihr gegenüber.Nun, wo sie ihn näher betrachtete, fand sie etwas Fremdes in dem Wesen des ritter-lichen alten Herrn, welches sie stutzig machte. Sollte er vielleicht gekommen sein, nmihr, wie auch schon bei früheren Gelegenheiten, eine Strafpredigt zu halten. Es wurdeihr schwer, eine gleichgültige Unterhaltung zu beginnen, denn jedes Thema kam ihr ver-hängnißvoll vor. Auch Sir Stephan befand sich wohl zum ersten Male- in seinen: Lebenin großer Verlegenheit. Endlich begann er:

Leider bin ich genöthigt, eine Mittheilung zu machen, welche Ihnen großenKummer bereiten wird, und doch muß es geschehen. Meine liebe Mrs. Dalton, vonHerzen wünsche ich, daß Madelina's Gefühle keinen Antheil an dieser Verbindung haben.Noch gestern, als wir zur Stadt kamen, hätte ich viel darum gegeben, das Gegentheilannehmen zu dürfen."

Was gibt es, Sir Stephan? Was wollen Sie damit sagen?" rief die armeDame in größter Angst aus.Hat Lord Alphington seine Einwilligung zurückgezogen,oder ist Mr. Faucourt nein, er denkt nicht daran, wortbrüchig zu werden, erliebt Lena zu sehr."

Ihre Stimme zitterte und Sir Stephan bemitleidete sie aufrichtig, obschon er niegroße Achtung für die Wittwe seines Freundes empfunden hatte.

Wenn die Verlobung abgebrochen werden muß, so ist dies nicht die Schuld LordAlphington's; das kann ich Ihnen versichern. Ich stellte die Frage in Betreff derGefühle Lena's nur deshalb, weil wir hoffen müssen, daß die Trennung von ihrem