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„Bahnsrei! für Uebung der Kraft zur Stärkung des Blutes uud der Nerven!— Möchte Jeder bedenken, daß nur in der Bewegung das volle, frischeLeben liegt.
Ruhe ist Tod. Darum ein dreifach „Gut Heil" der Bewegungschaffenden Turn er ei! —
M i s e e l l e n.
(Die gefeierte Sängerin Marietta Alboni ) war auch wegen ihrer Kalt-blütigkeit und ihres Muthes berühmt. Gelegentlich eines ersten Gastspiels in Trieftkam ihr, wie Schorer's „Familienb." erzählt, zu Ohren, daß mau sie auspfeifen wolle.Sie ermittelte bald die Anstifter und wo sie zu finden waren, legte Mänucrklcidung an,wobei ihre kräftige hohe Gestalt und ihre kurzen Locken eine Entdeckung des eigentlichenGeschlechtes so ziemlich ausschlössen, und begab sich in das Kaffeehaus, wo die Ver-schworenen ihren Sitz hatten. Dieselben waren gerade in voller Berathung. DieSängerin hörte eine Weile zu und wandte sich dann mit den Worten an den Rädels-führer: „Mir scheint, daß Sie Jemand einen Streich zu spielen beabsichtigen. Der-gleichen ist auch meine Passion; es würde mich daher freuen, wenn Sie mir gestattenwollten, mich an dem Unternehmen zu bctheiligen." — „Mit Vergnügen," lautete dieAntwort. „Es soll heute Abend eine Sängerin ansgepsiffcn werden." — „So so. Washat sie denn verbrochen?" --- „O nichts weiter, als daß sie in Wien und München gesungen und sich — eine Italienerin — von den Deutschen hat fetiren lassen; dafürwollen wir sie jetzt ein wenig strafen." — „Das finde ich vollkommen in Ordnung undbin daher durchaus der'Jhrige; bestimmen Sie nur, was mir zu thun obliegt." —„Nehmen Sie hier dieses Pfeifchen. Auf ein Zeichen, welches nach der Arie der „Rosine "gegeben werden wird, geht der Lärm an, in den Sie blos einzustimmen brauchen." —„Was bestens geschehen soll," versicherte die Alboni und versenkte das kleine Instrumentin die Tasche.' Am Abend war das Theater bis zur Decke hinauf gefüllt. „Der Barbiervon Sevilla" wurde gegeben. Die Antrittsgesänge Almaviva's und Figaro's, beidesLieblinge des Publikums, fanden großen Beifall. Dann erschien Rosine, die Alboni , aufder Szene. In dem Moment, wo sie den Vormund anredete, begann schon, ohne dasSignal abzuwarten, ein Theil der Verschworenen mit dem Skandal. Die Sängerinverzog keine Miene, sie trat nur hart vor die Lampen und sagte, das Pfeifchen, welchesmit einem Bande an ihrem Hals befestigt war, zeigend, schelmisch: „Meine Herren, ichglaube, Sie waren etwas voreilig: wir wollen ja erst, nachdem ich meine Arie gesungen,mit dem Anspseifen beginnen." Eine Todtenstillc entstand, dann durchbrauste plötzlichdonnernder Applaus, von den Verschworenen selbst ausgehend, den Saal. Die Albonihatte gesiegt, sie wurde au dem Abend clfmal gerufen und mit Stränßchen und Kränzenüberschüttet.
(Eine gute Vorbereitung.) ^Denken Sie nur, Herr Spitzig, jetzt lernt meinSohn auf der Hochschule auch noch das Fechten!" — „So, so, das ist vielleicht einesehr gute Vorbereitung für später!"
Räthsel.
Mit e ist es das KönigshnusIn einem Lande, das durchausDas Element vor allen nenntSein eigentliches Element,
Drin mancher schon das Wort mit aIn dessen Elemente sah.
Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag desLiterarischcn Instituts von Dr. Max Huttler-