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„Ängsluirger Postzeitnug.-
93. Samstag, 8. December 1383.
Der Opalring.
Roman aus dem Englischen von E. C.
(Fortsetzung.)
„Sie sind Madeline Dalton?" frug Mrs. Lemont, ihre hohlen Augen von Berthaauf Leim richtend. „Treten Sie näher, damit ich Sie besser sehen kann."
Lena gehorchte, nicht wenig beunruhigt über den seltsamen Ton der Frau, vonwelcher sie nur Entschuldigungen und demüthige Bitten erwartet hatte. Die Krankeerhob sich mit der größten Anstrengung und Lena's Handgelenk umfassend, schaute sieihr ernst und prüfend in's Gesicht.
„So! Dieses ist also die hübsche Larve, welche mir meines Gatten Liebe geraubtund ihn zum Verbrecher gemacht hat!" Lena erblaßte, sie entwand sich Juliens Griffund stürzte zu ihrer Schwester hin.
„Sie ist wahnsinnig! Hilf mir, Bertha!" flehte sie. Diese war ebenfalls bei demGehörten bleich geworden."
„Nein, ich bin nicht wahnsinnig, legen Sie nur Ihre Hand auf meine Stirne —sie ist kalt, mein Puls schlägt langsam — sehr langsam. Ich bin nicht wahnsinnig.Meine flLorte sind Wahrheit. Der Mann, welchen Sie morgen zu heirathen gedachten,ist mein Gatte. Um Ihnen dieses zu sagen, ließ ich Sie hierher kommen." Sie sprachauffallend ruhig; ihr Zorn war verraucht und jetzt schlug ihr Puls, wie sie auch sagte,sehr langsam.
Lena wankte und sank neben dein Bette in einen Stuhl.
„Barmherziger Himmel, soll ich das glauben?"
„Ja, Sie müssen das glauben und noch mehr", fuhr Mrs. Lemont fort. „BlickenSie her und betrachten Sie diese bleichen, eingefallenen Wangen, diese abgemagertenHände. Noch vor wenigen Tagen war ich so gesund und kräftig wie Sie. Er wollte,ich solle morgen todt sein und ohne die Dazwischenkunft des Geheimpolizisten wäre iches gewesen."
Mit weit geöffneten Augen starrte Lena die Sprechende, deren Worte sie nichtfassen konnte, an.
„Meinen Sie Mr. Faucourt?" frug Bertha näher tretend.
?,Jch spreche von Eustace Sedley — von ihm, den Sie als Mr. Faucourt kennen.Er hat mich vergiftet — mich — seine Frau, um Sie zu heirathen!" Dabei deutetesie auf Lena hin.
Endlich schien diese die ganze schreckliche Wahrheit zu begreifen. Mit einem lautenSchrei verhüllte sie ihr Gesicht mit den Händen und karierte in dem Stuhle nieder. DieWärterin, welche den Aufschrei vernommen halte, erschien an der Thüre.
„Gehen Sie!" befahl Mrs. Lemont, mit der Hand winkend. „Wir bedürfenIhrer nicht."