Ausgabe 
(12.12.1883) 99
 
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Fahnen und Wappen der Handwerker, Künstler und einiger anderen Stände, nebstderen Schutzheiligen nnd Fahnenfarben.

Jedes einzelne Handwerk verehrt bekanntlich einen Heiligen als seinen Patron undFürbitter bei dem großen Meister aller Handwerke. In früheren Zeiten, als das Hand-werk in seinen Zünften und Gilden starke Verbände auswies, hochaiigcsehen war und inder Gemeinde wie selbst im politischen Leben eine große Rolle spielte, man denkemir an die Kämpfe der flandrischen Städte mit den französischen Bedrückern da warenauch die Patrone des Handwerks ebenso bekannt wie seine Embleme, Wappen und Fahnen,kurz wie seine ganze Organisation, Gliederung u. s. w. Und was vom Handwerk galt, dasgalt auch von vielen anderen Ständen, die uns in corporativer, fester Gliederung entgegen-treten und Respect einstoßen. Dann kam eine Zeit, in der Alles, was nach dem Mittel-alterroch", verspottet, bekämpft, verworfen wurde. Es war das die Zeit, die in Deutsch-land mit dergroßen Reformation" einzog, und die mit dem 30jährigen Kriege überDeutschland die Zerstörung alles Bestehenden, den Gräucl der Verwüstung brachte. WasdieReformation" in ihren religiösen, socialen, staatlichen wie communalen Nachwirkungenetwa noch bestehen ließ, damit räumte dann dieAufklärung" auf, die mit dem Zeit-alter Lndwig's XIV. aus Frankreich herüberkam, Alles zersetzte, nnd die dann in dermit allen Schrecken nnd Verbrechen auftretenden großen französischen Revolution von1784 geradezu das Princip formulirte:mit allem Ucberliefcrten muß gebrochen undaufgeräumt werden!" So wurden die corporativen Verbände des Handwerks wie auchanderer Stände in den letzten drei bis vier Jahrhunderten mehr und mehr geschwächtund endlich zu Grabe getragen. Endlich erkannte man, daß es nicht mehr so weitergehe, und so hat man denn die Reform des Handwerks wie den Wiederaufbau derStaat und Gesellschaft überhaupt erhaltenden Stände in die Hand genommen, und manwird hoffentlich trotz allem Spotten nnd Widerstreben des regierenden Zeitgeistes nichtruhen, bis dieser Wiederaufbau vollendet ist. So sehr aber wurde die Kenntniß vonden großen Schöpfungen desMittelalters" in den Köpfen ausgetilgt, daß die Meistenauch nicht einmal mehr die äußeren Zeichen des Handwerks nnd anderer Stände znnennen wissen, geschweige daß sie Etwas von der Geschichte jener Schöpfungen kennen.Als eine Anregung zu Weiterem, insbesondere zu Vortrügen in Handwerker- und anderenVereinen, möchten wir deshalb, nach demEcho d. G.", eine kurze Zusammenstellungder Fahnen und Wappen rc. wie der Schutzpatrone der Handwerke und einiger anderenStände hier folgen lassen.

Aerzte und Apotheker. Patrone: St. Cosmas und Damian (zwei Brüder,Aerzte, tragen Arzneigläser, starben zu Anfang des 4. Jahrhunderts als Märtyrer). ImFelde eine goldene Salbenbüchse. Fahne blau und gold.

Bäcker. Im blauen Felde eine silberne Brctzel. Patronin: St. Elisabeth vonThüringen , die Brodspenderin; sie trägt Brod in einem Korbe und einen Krug mitWein. Fahne blau und silber.

Brauer. Im goldenen Felde einen umgekehrten goldenen Kübel und daruntergesteckt drei goldene Schöpfstötze. Patron: St. Florian, der Abwcnder von Feuers-gefahr; er schüttet aus einem Gefäße Wasser in's Feuer, weil er sich erboten, freiwilligdurch's Wasser zn gehen. Fahne roth und gelb.

Buchbinder. Im grünen Felde eine goldene Buchbinderpresse, ein Buch und eineBrieftasche. Patron: St. Ludwig IX. von Frankreich, der Bücherfreund; hält Lilien-scepter und Dornenkrone, starb 1270. Fahne grau nnd gold.

Buchdrucker. Im silbernen Felde ein schwarzer, goldgekrönter, springenderLöwe, der in seinen beiden Vorderpranken zwei aufeinander reibende Buchdrnckerballenhält. Patronin: Katharina von Alexandrien , die Schriftgelehrte. Fahne schwarz undsilber.

Buchhändler. Im silber- und goldgetheilten Felde einen rothen Krebs. Patron: