Ausgabe 
(15.12.1883) 100
 
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O, Mr. St. Lawrence Mr. Faucourt meine ich wie freue ich mich fürSie", antwortete die verwirrte Dame, endlich ihrer Sprache wieder mächtig.Ich habeSie immer gern gehabt und Mr. Fancourt d. h. Mr. Scdley nie. Die arme,theure Lena, es ist eine wahre Erlösung für sie. Vermuthlich theilten Sie es ebenBertha mit."

Ja, sie wußte noch nicht, wie schmählich Sedlcy mich hintcrgangen. Habe ichSie recht verstanden? Sieht Miß Dalton die Auflösung ihrer Verlobung von diesemGesichtspunkte an? Diese Nachricht freut mich von Herzen."

Das glaube ich Ihnen gern", bestätigte Mrs. Dalton und ließ sich auf denStuhl, von welchem Bertha sich erhoben, nieder.Sie werden Lena leider für heuteAbend entschuldigen müssen, da sie sehr angegriffen ist und sich zur Ruhe begeben hat."

Eustace bat, Miß Dalton seinetwegen nicht stören zu wollen es befremdeteihn, wie man annehmen könne, er wünsche sie zu sprechen. Bertha benutzte diese Gelegen-heit und schlüpfte aus dem Zimmer.

Ihre Mutter fühlte sich durch den kühlen Ton des jungen Mannes einigermaßenentnüchtcrt. Sie hatte erwartet, ihn bei dem Gedanken, Lena sei wieder frei, außer sichvor Entzücken zu finden. Unbehaglich und nicht recht wissend, was sie sagen solle, be-gann sie ihrer Gewohnheit gemäß die Falten des Kleides glatt zu streichen.

Es war meine Absicht, Sie heute um eine Unterredung zu bitten, Mrs. Dalton",hub St. Lawrence, vor ihr stehen bleibend, an.

Jetzt kommt es", dachte sie, ihre Hände auf dem Schooße faltend und sichräuspernd, um mit geziemender Würde zuhören zu können.

Ich liebe Ihre Tochter schon lange", fuhr er fort, für den Augenblick vollständigvergessend, daß außer Bertha noch sonst Jemand auf der Welt sei,und ich bin stolzdarauf, sagen zu können, daß ich die Versicherung ihrer Gegenliebe erhalten habe.Ihrer Zustimmung bedarf es noch, um mich zum glücklichsten der Menschen zu machen.Lord Alphington kennt und billigt meine Wahl."

Diese Mittheilung, Mr. St. Lawrence Mr. Fancourt meine ich, macht michäußerst glücklich, doch bin ich erstaunt zu hören, daß Sie von meiner Tochter dasGeständniß der Gegenliebe schon in Empfang genommen haben und und wärees nicht besser, noch einige Tage zu warten? Sie ist vielleicht kaum darauf vorbereitet so plötzlich, wissen Sie."

Erröthcnd hielt sie inne. Die Nachricht, St. Lawrence sei zu Titel und Reich-thum gelangt, war von Lena nicht so freudig aufgenommen worden, wie ihre Mutteres erwartet vielmehr hatte sie wie ein Bild der Verzweiflung ausgesehen und da St.Lawrence schon heute auf eine Antwort drängte, so war es fraglich, wie Lena seineWerbung aufnehmen werde.

Sie müssen es der Ungeduld eines Liebenden verzeihen, verehrte Frau", erwiderteer lächelnd.Wie hätte ich von Bertha fern bleiben können und zugeben, daß sie vonAndern erfuhr, was sich ereignete."

Mrs. Dalton blickte ihn abermals verwirrt an.Es ist sehr freundlich von Ihnen,an Bertha zu denken. Sie ist ein liebes, gutes Mädchen, obschon sie ihrer Schwesternicht gleicht."

Nein, Gott sei Dank nicht", war das heimliche Stoßgebet und laut fuhr er fort:So habe ich also Ihre Einwilligung. Sie wollen mich zu Ihrem Sohne annehmenund alle Zweifel sind gehoben?"

Zweifel? O, deren gibt es keine mehr. Meiner Ueberzeugung nach hätte es garnicht besser kommen können. Nicht wahr, Sie finden doch auch, daß die Hochzeit nichtlange aufgeschoben zu werden braucht!"

Gewiß, weshalb sollte es nöthig sein. Nehmen Sie meinen besten Dank, ver-ehrte Mrs. Dalton. Lord Alphington bat mich, Ihnen zu sagen, er werde Sie noch