Ausgabe 
(15.12.1883) 100
 
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Kometen von Biela veranlaßt wurde. Bei der ersteren Gelegenheit war es ProfessorBorgen, welcher anf die sonderbare Helligkeit des ganzen Himinelsgrnndes bei völligerAbwesenheit von Mondschein nnd Dämmcrnng anfmerksam machte. In der Beziehungwar mir aber die größte Ueberraschung für die Nenjahrsnacht von 1872/73 auf-bewahrt. Auch in dieser war ein solches Dämmerlicht über den ganzen Himmel ver-breitet, und ich sah mich deshalb zu der Bemerkung veranlaßt:Da sollte man ja wohleinen Sternschnnppcnfall erwarten", aber ein solcher schien nicht kommen zu wollen;weiteres Warten wurde als hoffnungslos aufgegeben. Man kann sich also meine Ucber-raschung denken, als mir ein Herr, dem ich noch gar keine Mittheilung von meinerWahrnehmung gemacht hatte, erzählte, er sei des Morgens mit seiner Gattin von einerFeier zurückgekehrt und aus dem Wagen heraus sei um 6 Uhr ein Sternschnnppenfallzu beobachten gewesen, der an Glanz nnd Fülle dem vom 27. November 1872 kaumnachgegeben habe, aber von kürzerer Dauer gewesen sei. Aus den Antworten anf meineFragen ging noch unzweideutig hervor, daß der sogenannte Radiant oder Ansstrahlungs-punkt im Sternbilde des großen Hundes gelegen haben müsse. In der That ist zwischenden Stenuen ä nnd - Oauis inagoris ein solcher Punkt bekannt.

Das eben erwähnte Zusammentreffen von Hellem Himmclshintcrgrnnde mit Stcrn-schnuppenfällen kann aber gar nicht befremden. Denn nicht jedes Theilchcn Wcltenstaub(denen man ein durchschnittliches Gewicht von 8 § zuzuschreiben geneigt ist) gcräth indie Atmosphäre der Erde, wird glühend nnd also sclbstlenchtend, d. h. zur Sternschnuppe.Die weit größere Mehrzahl kommt der Erde nur nahe, aber nicht mit ihr in Berührungund verursacht, von der Sonne beschienen, einen Lichtschein, vergleichbar, wie gesagt,den Stanbthcilchcn, die in einem Zimmer schweben. So ist wahrscheinlich auch dasZodiakallicht, wenigstens in seinen Grnndzügen, wie ich demnächst ausführlicher nachzu-weisen gedenke.

Daß unser Phänomen gerade in die Tage fiel, in denen die Erde durch die Bahndes Kometen von Biela hindurchgeht oder ihr sehr nahe ist, erregte gleich anfangs meineAufmerksamkeit. Damit dies Aehnliches verursacht, wie die beobachtete Erscheinung istdurchaus nicht erforderlich, daß der Komet selbst in der Nähe sei, es genügt vielmehrvollständig eine dichte Staubwolke in dem von dem Kometen bekanntlich gebildetenSternschnnppen-Ning. Auch diesmal ist hier wieder das erwähnte diffuse Licht desHimmelshintergrnndcs aufgefallen. Sowie die Erde nnd die Stanbmasse sich von ein-ander entfernen, mnß die erleuchtete Fläche kleiner werden, zugleich aber auch schärferbegrenzt, nnd sie muß in den ersten Tagen einem Punkte zustreben, der, eine Beziehungzum Kometen von Biela vorausgesetzt, wiederum l> Osntauri an der südlichen Halbkugelsein müßte. Es ist nun anf der Göttingcr Sternwarte folgende wcrkwürdige, voll-kommen zu verbürgende Wahrnehmung gemacht worden. In der Nacht vom 29. anfden 30. November gegen 11^ Uhr bemerkte der Kalkulator Hcidorn nnd anf dessenabsichtlich allgemein gehaltene Frage, ob nichts Auffallendes am Himmel zu sehen sei,auch die Praktikanten der Astronomie, die Herren Wickmann und von Glünicr, im Süd-westen ein etwa 20" hohes matt leuchtendes Segment, durch welches Sterne hindurchzu sehen waren nnd das nach der Versicherung der Beobachter eine gewöhnliche Wolkeoder Trübung nicht gewesen ist. In der Nähe stehen die Sterne st nnd g Osti. Daßdieses Segment eine schon weit nach Süden fortgeschrittene Metcorwolkc gewesen sei,ist leider nicht festzustellen.

Erst am 2. d. M. erfuhr ich, daß das sogenannte Abend- und Morgenroth auchin England, in der Schweiz nnd sogar in Rom aufgefallen ist. Unter solchen Umständenist es kaum noch möglich, die kosmische Natur des Phänomens in Abrede stellen zuwollen.