Ausgabe 
(15.12.1883) 100
 
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M i s e e l l e n.

(Als eine der größten Jagdmerkwürdigkeitcn) wird erzählt, daß derOberförster Wallot zu Meschede ein ti» Frühjahr dieses Jahres gefangenes junges Wild-schwein (Frischling) aufgezogen und gezähmt hat, so daß es seinen Herrn bei den Spazier-gängen jetzt wie ein Hund begleitet. Mit dem Hühnerhunde seines Herrn hat es ganzintime Freundschaft geschlossen, da derselbe es bei den Ansgängcn, als es noch ganzklein war, sorgfältig hütete und gegen jeden Angriff zu schützen pflegte. Beide weicheneinander auf den Wegen nicht von der Seite.

(Ein unerwartetes Impromptu.) Professor der Magic:Meine Herr-schaften, Sie sehen, der Thaler ist fort. Nun werde ich ihn sogleich wieder herbeischaffen.Heda, Sie biederer Landbewohner, greifen Sie doch einmal in Ihre Rocktasche! Ichwette, daß sie den Thaler haben." Bauer:Nein, ich hab' nur 27^ Neugroschen lDa sind sie!" Professor:Das ist nicht möglich! Einen Thaler müssen Sie haben!" Bauer:Freilich war's ein Thaler, was mir vorhin der Herr heimlich in die Taschegesteckt hat. Aber ich hab' mir unterdessen ein Glas Bier davon gekauft."

(Anzüglich.) Der Graf von Girardinstotterte etwas bedenklich mit den Augen",oder nms gradeheraus zu sagen: er schielte entsetzlich. In einer Hofgesellschaft näherteer sich einst dem Fürsten Talleyrand und fragte mit zutraulicher Aufdringlichkeit:Nun,mein Fürst, wie gehen die Geschäfte?"Wie Sie sehen, Herr Graf schief!"entgcgnete mitpenetranter" Höflichkeit der berühmte Diplomat.

(In einer Gesellschaft) überkommt den kleinen Fritz der Schlaf, er reißt seinMänlchcn auf, so weit er kann, und gähnt den Anwesenden ins Gesicht. Seine jungeMama ist ganz entsetzt über diese Ungezogenheit ihres Erstlings und ruft in verweisendemTone:Aber Fritz, so gähnt man doch nicht vor allen Leuten!" Worauf Fritz wiß-begierig erwidert:Und wie gähnt man denn, Mama?"

(Kinder und Narren.) Man fragt den kleinen Oscar nach dem Bräutigamseiner reizenden neunzehnjährigen Schwester.Wie alt ist er?"Ich weiß esnicht."Aber doch! Ist er jung?" --Ich glaube wohl er hat noch keineHaare."

(Etwas Nettes!) In einer Berl. Ztg. findet sich eine Anzeige, welche lautet:Ein netter Wirth mit nettem Geschäft und nettem Vermögen sucht eine nette Frau, dieentweder Fi,- Bab-, Jean- oder Nannctte heißen muß."

(Zureichender Grund.)Wie, Nachbarin, am hellen Tage in den Federn?Sind Sie krank?"Ach nein, aber ich muß das Bett hüten."Mein Gott,warum denn?"Weil es mein Mann sonst in's Pfandhans trägt."

N ii t

Das Erste seht man oft dem HauptUnd auch dem Fuße vor,

Wenn uus der Sturm die Mühe raubt,Wenn sich der Strumpf verlor.

DaS Zweite seht Dir oft als GastDes Abends vor der Wirth,

Doch halte Maß, damit zur LastDir nicht der Maßkrug wird.

Zumal die JugeMit Hals und lNothwendigDoch Damen

s e l.

Das Ganze eilt schon früh am TagEinher mit schnellem Schritt,

Es führt zu Stich und Schnitt und SchlagDie schärfsten Waffen mit.

Auch lenkt es au der Nase Dich,

Wohin cS ihm beliebt,

Indeß es Dir ein säuberlich,

Gefällig Ausseh'u gibt.

! hält ihm gern>pen Stich,ist's den alten Herrn,fürchterlich.

Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLitcrarischen Instituts von l)r. Max Huttler .