Ausgabe 
(19.12.1883) 101
 
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Nr. 101.

1883 .

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Ältgsl!arger Postzeitnng."

Mittwoch, 19. December

Der Gpalring.

Roman aus dem Englischen von E. C.

(Schluß.)

Sechsunddrcißigstes Capitel.

Mrs. Dalton begab sich zu Lena's Zimmer; Bertha war dort. Als sie ihreMutter erblickte, sprang sie von dem niedrigen Stuhl, auf welchem sie an dem Kamingesessen, in die Höhe und fiel ihr um den Hals.

Eustace hat Dir alles gesagt, Mama, nicht wahr?" flüsterte sie.Bitte, ver-zeihe mir, daß ich Dir unsere Verlobung verheimlichte, es sollte ja nur für einige Tagesein!"

Deine Verlobung? Kind, wovon sprichst Du eigentlich? Hast Du den Verstandverloren?"

So hat er es Dir nicht mitgetheilt?" frug Bertha, indem sie ihre Arme los-löste und die Mutter forschend anblickte. Das glücklich erröthende Gesicht ihrer Tochter,sowie der Gedanke an die trauliche Stellung, in welcher sie diese mit St. Lawrence an-getroffen, machte sie stutzig. Sie rief sich ihre Unterredung mit dem jungen Manne in'sGedächtniß zurück und da fiel ihr ein, daß er Lena's Namen gar nicht genannt habe.Aber noch immer sträubte sie sich dagegen.

Du, Bertha?" sagte sie mit bebender Stimme und auf einen Stuhl sinkendDu Gräfin von Alphington? Das ist unmöglich!"

O stille, Mama", warnte Bertha, nach dem Bette hindeutend, wo ihre Schwesterlag.Lies diesen Bries er wird Dir Alles erklären."

Sie zog das Schreiben ihres Bräutigams aus der Tasche und reichte es derMutter.

Lena wandte den Kopf unruhig zur Seite und stöhnte leise. Bertha eilte zuihr hin.

Mein Kopf", hauchte sie, ihre Hand gegen die Stirne pressend.

Diese glühte fieberhaft und das Athmen schien ihr Mühe zu verursachen. Mrs.Dalton hatte endlich eingesehen, in welch' großem Irrthum sie befangen gewesen war,obgleich sie den Brief noch nicht zu Ende gelesen. Ihrer Meinung nach waren Beide,

Eustace sowohl wie Bertha zu tadeln, da es viel besser gewesen, wenn die ganze Sache

den von ihr geplanten Verlauf genommen hätte.

Nun muß wieder eine neue Aussteuer angefertigt werden", klagte sie.

Aber Bertha, die zukünftige Gräfin, wurde sofort eine ganz andere Persönlichkeitin den Augen der Mrs. Dalton als die Musiklehrerin Bertha, die folgsame Tochter,

welcher sie die Hauptsorge des Haushalts aufgebürdet. Und obschon sie ihrem Aerger

Luft machte, daß die Menschen nie die Dinge von der vernünftigen Seite, d. h. vonder Seite auffaßten wie sie, würde sie sich doch mit der größten Bereitwilligkeit in ein