Ausgabe 
(19.12.1883) 101
 
Einzelbild herunterladen

813

schafterin. Cate Medhurst war ein Liebling der Laby Langley und diese wünschte schonlange für das junge Mädchen eine passende Gelegenheit, um sich weiter auszubilden.Deshalb kam sie auf die vorzügliche Idee, Cate Medhurst könne Mrs. Daltou undLena nach Rom begleiten. Sie war ein durchaus verständiges und gebildetes Mädchen,dazu sehr lebhaft und entschieden, so daß sie unfehlbar von wohlthuendem Einflüsse aufLena sein werde.

Dieser Vorschlag gefiel allen Bctheiligten. Cate Medhurst willigte unter der Be-dingung ein, daß sie keinerlei Auslagen habe und mit zur Familie rechne und Mrs.Dalton freute sich, wieder Jemanden um sich zu haben, dem sie alle Arbeiten und Be-schwerden aufbürden könne.

Bcrtha's Hochzeit fand an dem Tage vor der Abreise ihrer Mutter und Schwesterstatt. Man hatte ihrem ganz besonderen Wunsche willfahrt, in aller Stille zu heirathenund keine großartigen Festlichkeiten zu begehen, welche die Vergangenheit zu sehr in'sGedächtniß rufen würden.

Als sie nach der Trauung nach Hause zurückkehrten, steckte Lord Alphingtou denOpalring an den Finger der Braut und sagte:Die Prophczeihung ist in Erfüllunggegangen und nie kann der Ring die Hand einer Frau zieren, die würdiger wäre, Gräfinvon Alphington zu werden."

»Ich hoffe zu Gott, daß mir dieser Titel für viele, viele Jahre noch nicht zukommt",erwiderte Bertha, seine Hand ehrfurchtsvoll mit ihren Lippen berührend.

Alles zu seiner Zeit, mein liebes Kind. Wenn es der Wille der Vorsehung ist,mich noch für einige Jahre am Leben zu erhalten, so wird mich dies um so mehrfreuen, da ich dann Zeuge Eures Glückes sein darf."

Bei diesen Worten nahm er die Hand seines Enkels und vereinigte sie mit derBertha's. Dann segnete er beide aus vollem Herzen.

Sir Stephan Langley räusperte sich und schien eine Minute lang etwas im Augezu haben. Er liebte Bertha Fancourt, wie wir sie jetzt nennen müssen, als ob sie seineeigene Tochter wäre.

Air. und Mrs. Faucourt begaben sich nach der kurzen Hochzeitsreise zu ihremGroßvater nach Alphington Park, um die Weihnachtszeit bei ihm zuzubringen. Späternahmen sie ihren Wohnsitz auf einem andern Gute des Earls, bis Magnus Sguare zuihrem Empfange eingerichtet war.

Wenn Jemand dort Einlaß wünschte, so begegnete er einem alten Bekannten.Pcrkin's war auf Veranlassung Riggs als Portier dort angestellt worden; es ist nn-nöthig hinzuzufügen, daß er diesen Posten mit großen: Selbstgefühl versah. In seinenAugen war Riggs ein ganz außergewöhnlicher Mensch, dem er keinen Groll nachtragendurfte; aber er hatte durch ihn eine gute Lehre erhalten und war in Zukunft vorsichtigund vermied es, bei einen: Glase Punsch offenherzig zu werde».

Der ehrenwerthe Mr. Faucourt war noch nicht mit seiner Gemahlin in der Stadtangekommen, als interessante Neuigkeiten aus Rom anlangten. Douglas hatte beiden,Eustace sowohl wie Bertha, seine herzlichste,: Glückwünsche übersandt und aus den fol-genden Briefen ersahen sie, daß sein früherer frischer Humor wiedergekehrt war. Nun,so schrieb er, wolle er sie mit einer Nachricht überraschen. Er werde sich nächstens ver-heiraten. Zuerst habe ihn Cate Medhurst durch ihre scheinbare Aehnlichkeit mit Berthaangezogen, aber schon bald sei sie ihn: ihrer selbst wegen lieb und theuer geworden.Während des Winters habe er sehr fleißig gearbeitet und viel Geld verdient. Daßseine Braut kein Vermögen besitze, mache also kein Hinderniß aus.Sie ist ihr eigenesGewicht in Gold werth", .betheuerte der begeisterte Bäutigam. Miß Medhurst werdemit Mrs. Dalton uud Lena nach England zurückreisen und er dorthin folgen, wo sieAlle hoffentlich ein freudiges Wiedersehen erwarte.