Ausgabe 
(19.12.1883) 101
 
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O wie schön!" rief Bertha aus.Das allein fehlte noch, um mein Glück voll-kommen zu machen."

Wie eifersüchtig ich damals war", sagte Eustace, seine Frau zärtlich umarmend,als ich fürchtete, die Prophezeihuug werde sich nicht bewahrheiten. Doch nun hat sichAlles zum Besten gewendet. Douglas scheint die rechte Frau gefunden zu haben undmeine Bertha trägt den Opalring!"

Goldkörner.

Aller Anfang sei mit Gott !

Fleh' um seinen Segen!

Schon auf halbem Wege dannKommt er dir entgegen.

Doch er thut dies, merk' es wohl!

Nur bei guten Dingen;

Nur dem guten Vorsatz schenktGott auch das Gelingen.

Fühlst du dich auf rechter Bahn,

Lcg's in Gottes Hände!

Frisch gewagt ist halb gethan,

Und er führt's zu Ende!

Beherrsche deine Zunge! Sei bereitZum Reden wie zum Schweigen, wenn es Zeit;

Gar Manchen hat in großes Leid gebracht,

Was er zur Unzeit sprach und unbedacht.

Denk' nicht beim Sprechen erst; es bringt dir Schmach,Hinkt der Gedanke deinem Worte nach.

Du gleichst dem Schützen sonst, der Pfeile vielAbschießt, bevor er noch gewahrt das Ziel.

Blick in dein Jun'res, ob es hell und klar,

Dann sprich, was löblich, heilsam, gut und wahr!

Christ zu sein, o freue dich!

Solltest nie vergessen,

Welche hohe Würde DirGott hat zugemessen!

Darfst als Kind im VaterhausDich getrost bekennenUnd der Auscrwähltcn SchaarMitgenoß dich nennen!

Darfst es, wenn in Wahrheit duZeigest durch dein Leben,

Daß du grünst als frischer ZweigAn dein Stock der Reben.

Große Rechte wurden dir,

Doch auch schwere Pflichten;

Und ob du sie treu erfüllt,

Wird der Herr einst richten!

F. Bcck.

Das Wiener Kaffeehaus.

Es ist für Geist und Seele des Menschen vom Heil, wenn er sich zuweilenden alltäglichen Sorgm und Angelegenheiten entfliehend mit einem jener ewigenProbleme beschäftigt, deren Lösung schon die besten Köpfe, wenn auch bisher vergebens,angestrengt hat. Mit diesein alten Erfahrnngssatze mag es entschuldigt sein, daß ich inweihevollen Stunden darüber nachdenke, schreibt Ferd. Groß imDeutschen .Heim", worinReiz und Anziehungskraft des Wiener Kaffeehauses liegen. O, der Gegenstand ist einüefernster, er gehört mit zur Cultnrgeschichte der Gegenwart, und nur oberflächlicheBetrachter können ihn, wie es landläufig heißt, auf die leichte Achsel nehmen. Wer den