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Haus steht hier eingerichtet und verschönert — das klingt absurd, nicht wahr? — fürseinen Bewohner, einen feinen, luxuriösen Bewohner, aber über den schönen, dauerhaftenWohnsitz würde die Vereinsamung und Verlassenheit verhängt, wenn Sie es so nennenwollen. Jetzt fällt die Besitzung als herrenloses Gut der Krone zu."
Ich sah hinauf zu den zerbrochenen, mit dickem Staub und Spinncnwcben bedecktenF nstern und dann auf die stillen, nnbctrctcnen Windungen des Parkes.
„Ich könnte glauben," sagte ich, „daß möglicherweise ein Fluch auf dieses Hansgefallen ist."
„Im westlichen Flügel," sagte der Pfarrer, indem er meine Bemerkung unbeant-wortet ließ, „ist eine Thür, welche ich mit einiger Gcschicklichkeit und Kraftanstrengnngöffnen kann. Möchten Sie das Haus von innen sehen? So weit Sie können, meine ich,denn die Thüre führt nur zu drei Zimmern."
Ich folgte ihm langsam. Eigentlich wollte ich das Hans nicht betreten; und ob-gleich meine Ncngierde zu stark war, um mich zu weigern, wünschte ich, daß der gütigealte Pfarrer den Vorschlag nicht gemacht hätte. Ich sah mich vergeblich nach einerThüre um, als wir den westlichen Flügel erreichten. In der langen Reihe zerbrochenerFenster sah man nur an einer Stelle eine Menge dichter Epheurankcn, ein riesigerAuswuchs auf der Mauer. Der Pfarrer zog die Ranken mit der Krücke seines Spazicr-stockes auseinander. „Der Eschen wuchert so üppig über den Steinstnfen," sagte er,„daß ich fürchte, Sie werden nicht hinaufsteigen können. Sehen Sie, die Thüre ist aufersten Stock, und wir können sie nur erreichen, wenn wir diese verborgene Treppehinaufsteigen."
„Ich komme hinauf," sagte ich. '„Man kann hier sicher über den Eschen klettern:aber, bitte, reichen Sie mir Ihre Hand."
Das Hinaufsteigen war wirklich schwierig, sogar gefährlich, denn die Stufenwaren an vielen Stellen zerbröckelt; aber endlich erreichten wir die Thüre; der Pfarrerstreckte seinen Arm durch das zerbrochene Holzgctäfcl, zog innen den Riegel zurückund öffnete.
„Ich sah nie ein Herrenhaus mit einem so seltsamen Eingang," sagte ich, jedochder Pfarrer ging weiter und hörte meine Worte vielleicht nicht. Die Thür führte inein kleines Vorzimmer, so klein, das; ein Schlafsophn, ein Tisch, ein Stuhl mit ver-blichenen Büchern es ganz ausfüllten. Der Pfarrer öffnete eine zweite Thüre gegenüberderjenigen, durch welche wir eingetreten, und ich folgte ihm in ein großes luftiges Schlaf-zimmer; die schweren Damastvorhünge des Bettes mochten einst von brillanter Scharlach-farbe gewesen sein, aber sie waren jetzt in ein Gelbbraun verblichen; sie hingen in Fetzenan den Stellen, wo die Hände des Bewohners sie zurückgezogen oder aufgehoben hattenund waren von oben bis nuten von Myriaden Motten durchlöchert. In diesem Zimmersah ich einen Eßtisch, wcrthvolle, hübsche Zicrathe und Bücher, und die Wände warenvon so schönen, gnterhaltenen Gemälden bedeckt, daß dieselben der alten wurmstichigenMöbel zu spotten schienen.
„Schönere Gemälde als diese sind sogar nicht in der Gcmäldegalleric," sagte ichzu dem Pfarrer, als er eine andere wieder unserem Eingang gegenüber befindlicheThüre ausschloß.
„Nein; es sind die schönsten, welche aus der Gallcrie ausgewählt wurden; indiesem Zimmer sind die ausgezeichnetsten Portraits. Kommen Sie."
Er hatte die Thür gcöffntet und schob die schwere, faltenreiche Draperie derselbenbei Seite; ich betrat ein Zimmer, dessen Größe und Form diejenige des Schlafzimmerswar, dessen Einrichtung jedoch ein Wohnzimmer, eine Bibliothek und einen MnsiksaalAlles in Einem zeigte. Trotz des Zahns der Zeit sah ich die Schönheit und denLuxus der Einrichtung, sowie eine Seltsamkeit, als ob hundert Geschmacksrich-