Ausgabe 
(22.12.1883) 102
 
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Jungen," sagte er mit ernstem Kopfschüttclu,wenn er nicht stirbt, wird er für den Restseines Lebens unheilbar blödsinnig sein."

Dieses schlimmere Schicksal blieb ihm erspart, er starb; die Nachricht gab seinerMutter den Todesstoß und ihr Geist wurde nmnachtct; sie schleppte sich mühsam zumHerrenhaus und verlangte den Sgnirc zu sprechen. Als seine Diener es ihm sagten,lächelte er in seiner ruhigen Weise.Gebt ihr dieses Geld," sagte er,weiter ist Nichtsnöthig für solche Weiber."

Sie blickte geistesabwesend auf die angebotene Summe, dann trat sie einige Schrittezurück, erhob die Hände feierlich gen Himmel und rief das Gericht Gottes auf den Herrndes Hauses herab; sie flehte, daß die Strafe, welche er über ihren Sohn verhängt, ihnheimsuchen möge. Und der in seinem Kreise stets geschmeichelte, gefeierte Herr diesesHauses sah aus dem Fenster und lächelte über diesen Auftritt der armen Verzweifelten.Sie starb einige Monate darauf.

Fünf Jahre vergingen, und Ludolph Warwick führte noch sein luxuriöses, glän-zendes Leben, geschmeichelt, bewundert und überall gesucht. Er beging keinen der Fehl-tritte seines leichtfertigen, genußsüchtigen, aber warmherzigen Vaters, sondern lebte nurin stolzer, kalter, mitleidloser Selbstbefriedigung. Aber als diese fünf Jahre vergangenwaren, kam er einmal unerwartet und ganz allein in seinem Londoner Hanse an. Erfuhr am Morgen nach seiner Ankunft in einem Miethwagen aus, und sein Gesicht warvon einem weißseidenen großen Halstuch Halb bedeckt; nach einer langen geheimen Unter-redung mit einem berühmten Arzt, kehrte er zurück und befahl, daß sein Haus wiederabgeschlossen werde, da er auf das Land reise. Er kam sogleich hierher, und ehe erseinen Ucbcrrock und das weiße verhüllende Tuch abgelegt, rief er vier alte Diener zusich, welche während seiner ganzen Lebenszeit hier gewohnt hatten. Sie kamen in diesesZimmer, und er stand dort am Kamin und sprach mit halb abgewandtem Gesicht zuihnen. Sie waren über seine unerwartete, alleinige Ankunft sehr erstaunt gewesen, denner pflegte stets mit Equipage und Dienern zu kommen, nachdem alle Zimmer des Hausesfür ihn und die Gäste, welche mit ihm oder bald nach ihm kamen, bereit standen. Aberwelch' eine viel größere Uebcrraschung erwartete sie!

(Schluß folgt.)

Goldkörner.

Flieh' Musst gang! Uuthütigkeit erschlafftlind »nicht dich muthlos; Arbeit stählt die Kraft.

Dir wird durch sie, was du vermagst, bewußt;

Leicht wird die Bürde, und die Müh' zur Lust!

Gehorche willig, Kind! Gehorsam istDer Keim, aus dem dir jede Tugend sprießt,

Der in sich birgt sie alle im Verein!

Du bist ein Pslänzlcin noch, gar schwach und klein,

Das sich nicht schützen kaun, das treu gehegt,

Von seiner Eltern Sorge wird gepflegt,

Gleichwie ein Gärtner schirmt vor Frost und WindDie Lcuzeskindcr, die ihm theuer sind.

Begreifst du auch noch nicht, wie und warumDie Hand dich hält und führt, gehorche stumm!

Wie hart dir das Gebot auch scheinen mag,

O glaube, kommen wird die Zeit, der Tag,

Wo du erkennen wirst, daß nie die Liebe ließVon dir, ob sie dich thun, ob lassen hieß!

F. Beck.

Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag des

Litcrarischen Instituts von Dr. Max Huttler.