Womit Du sündigst, damit wirst Du gestraft.
AuS dem Englischen der Mrs. Mary Cecil Hay, übersetzt von Alice Salzbrunn
(Schluß.)
Er sagte ihnen, daß alle seine Diener entlassen werden sollten, ausgenommen sieselbst; daß Jeder von ihnen, der eine Einwendung dagegen mache oder ihm in seinenBefehlen nicht unbedingt gehorchen wolle sogleich sein Haus verlassen könne, bevor erweiter zu ihnen spreche; aber wenn sie bleiben wollten, müßten sie ihm schwören, seinenAnordnungen strengen Gehorsam zu leisten. Er sagte ihnen, daß nie wieder Gäste imHanse sein und ihre Dienste erfordern würden; und daß außer ihren eigenen Schlaf-stuben und der Küche nur diese drei Zimmer des Hauses bewohnt werden würden. Ersagte ihnen, daß er von diesem Tage an keinen Menschen besuchen oder bei sich sehenwalle; und indem er ihnen eine geladene Doppelpistolc zeigte, sagte er, die erste Kugelsei für denjenigen, welcher bei ihm einzudringen oder in sein Gesicht zu sehen wage, unddie zweite sei dann für ihn selbst. Er sprach seinen Vorsatz aus, in diesen drei Zimmerneinsän: zu leben, Thüren, durch welche kein Spüherauge dringen und Schlösser, welchekeine Hand außer der seinigeu ausschließen könne, machen zu lassen. Seine übrigenBefehle wolle er schriftlich nach der Entlassung seiner Dienerschaft geben.
So begann er sogleich dieses Leben der furchtbaren, leidensvollen Einsamkeit; undobgleich von dem Tage an Niemand zu dem jungen Sqnire drang, und er seinGeheimniß Niemanden erzählt hatte, war es bekannt, — man flüsterte von -Entsetzendurchscheuert davon — daß eine schleichende Krankheit an seinen: Leben nagte und zuerstdie Schönheit seines Gesichts zerstörte, auf welche er so empfindsam stolz gewesen. Jahrauf Jahr verging sein Leben in furchtbarer Einöde. In diesen Zimmern sammelte erAlles, was er konnte, um solch ein Leben erträglich zu machen; er ließ sich die aus-crwählt schönsten Gemälde der Londoner Bildergallerie kommen, um sie an seine Wändezu hängen. Wenn er diese Glocke zog, fand der alte Bediente seine geschriebenen Be-fehle unter dieser verschlossenen Thüre durchgeschoben; wenn er die Glocke in: Schlaf-zimmer gezogen hatte, schloß er sich in dieses Wohnzimmer ein, und der Bediente konntedas Schlafzimmer aufräumen, die Teller und Tassen wegräumen (der Sqnire hattewährend seiner Mahlzeiten nie eine Aufwartung) und das Kaminfener anzünden. Wurdedie Glocke in: Vorzimmer gezogen, so beeilte sich der Bediente, welcher dieses Wohn-zimmer in Ordnung zu bringen hatte, mit seiner Arbeit, weil er wußte, daß sein Herrunterdessen in: kleinen Vorzimmer eingeschlossen saß. Denn er ging nie aus jener Thürein den Park hinunter, (obgleich er die Steintreppe zu diesen: Zweck machen ließ) bissein ganzer Haushalt und das ganze Dorf schon stundenlang in: Bette lag. Nur in:tiefen Dunkel der Nacht wagte er sich hinaus und Niemand hat ihn je auf diesen Gängengesehen. In dieser schrecklichen Einsamkeit, in welcher er keines Menschen Angesicht sah,keines Menschen Stimme hörte, sich seinen Dienern nie zeigte und kein Wort zu ihnen sprach,verlebte der Sqnire fast zwanzig Jahre. Stellen Sie sich solche Einsamkeit und solchesLeiden während einer Woche vor — während eines Jahres, und dann während zwanzigJahren! Aber um die Schwere der Heimsuchung für ihn zu verstehen, müssen Sie seinbis dahin geführtes Leben bedenken, die an den höchsten Grad der Feinheit gewöhnte,hochmüthigc Natur des Mannes und seine intensive Empfindlichkeit gegen jeden physischenSchmerz und gegen jede Beschwerde. Bedenkt man das und die Last des zu bewah-renden Geheimnisses, während die Welt der Neugierigen, welche ihren Gefeierten ver-mißte, nach der Ursache seines lebendigen Todes fragte, so kann man sich die gräß-lichen, fast unerträglichen Leiden dieser zwanzig Jahre vorstellen.
Endlich kau: eine Zeit, in welcher die Mahlzeiten kaun: berührt waren; und dannwurden keine geschriebenen Befehle mehr unter die verhangene Thüre gelegt, bis deralte Diener der nur diese Geschichte erzählte, einen Zettel fand, daß er den Pfarrerrufen sollte.