Antiquarischer Briefe erster.
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„Artisten gewesen zu seyn, Handlungen aus dem Homcr zu„mahlen," ich ganz etwas anders damit muß gcmcinct haben,als das, was diese Beyspiele widerlegen.
Ich habe damit gemeiner, und meine es noch, daß so sehrdie alten Artisten den Homcr auch genutzt, sie ihn doch nichtauf die Weise genutzt haben, wie Caylus will, daß ihn unsercArtisten nutzen sollen. Caylus will, sie sollen nicht alleinHandlungen aus dem Homcr mahlen, sondern sie sollen sie auchvollkommen so mahlen, wie sie ihnen Homer vormahlt; sie sol-len nicht so wohl eben die Gcgcnständc mahlen, welche Homcrmahlt, als vielmehr das Gemählde selbst nachmahlen, welchesHomcr von diesen Gegenständen macht; mit Bcybchaltung derOrdonnanz des Dichters, mit Bcybchaltung aller von ihm an-gezeigten Localumstande u. s. w.
Das, sage ich, scheinen die alten Artisten nicht gethan zuhaben, so viel oder so wenig Homerische Gcgcnständc sie auchsonst mögen gemahlt haben. Ihre Gemählde waren HomerischeGemählde, weil sie den Stos dazu aus dem Homcr entlehnten,den sie nach den Bedürfnissen ihrer eignen Kunst, nicht nachdem Beyspiele einer fremden, behandelten: aber es waren keineGemählde zum Homcr.
Hingegen dic Gcmähldc, welche Caylus vorschlägt, sind mehrGemählde zum Homcr, als Homerische Gemählde, als Ge-mählde in dem Gcistc dcs HomcrS und so angegcbcn, wie sieHomcr selbst würde ausgeführt haben, wenn er anstatt mitWorten, mit dem Pinsel gemahlt hätte.
Deutlicher kann ich mich nicht erklären. Wer das nichtbegreift, für den ist der Laokoon nicht geschrieben. Wer esaber für falsch hält, dessen Widerlegung soll mir willkommenseyn; nur, sieht man wohl, muß sie von einer andern Artseyn, als dic Klotzische.
Herr Klotz hat in scincm Buche mir viermal die Ehreerwiesen, mich anzuführen, um mich viermal eines Bessern zubelehren. Zch wollte nicht gern, daß ein Mensch in der Weltwäre, der sich lieber belehren liesse, als ich. Aber —
So viel ist gewiß, er streitet alle viermal nicht mit mir,sondern ich weiß selbst nicht mit wem. Mit einem, dem er