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8 (1839)
Entstehung
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Antiquarischer Briefe erster.

Herr Klotz beliebe zn überlegen, daß es zwey ganz vcr-schicdne Dinge sind: Gegenstände mahlen, die Homer behan-delt hat, und diese Gegenstände so mahlen, wie sie Homerbehandelt hat. Es ist meine Schuld nicht, wenn er diesen Un-terschied nicht begreift; wenn er ihn in meinem Laokoon nichtgesunden hat. Alles bezicht sich darauf.

Daß die alten Artisten sehr gern Personen und Handlungenaus der Trojanischen Epoche gemahlt haben: das weiß ich, undwer weiß es nicht? Will man alle solche Gemählde HomerischeGemählde nennen, weil Homer die vornehmste Quelle der Be-gebenheiten dieser Epoche ist: meinetwegen. Aber was habendie Homerischen Gemählde in diesem Verstände, mit denen zuthun, von welchen ich rede; mit denen, dergleichen der Grafvon Caylus den neuern Künstlern vorgeschlagen hat?

Die Beyspiele, welche Herr Klotz mir vorhält, sind miralle so bekannt gewesen, daß ich mich würde gcschämct haben,sie Herr Klotzen vorzuhalten. Zch würde mich gcschämct ha-ben, zn verstehen zu geben, Herr Klotz habe sie entweder garnicht, oder doch nicht so gut gekannt, daß sie ihm da bcyfallenkönnen, wo sie ihm so nützlich gewesen wären.

Was das sonderbarste ist: ich habe diese Beyspiele fast alleselbst angeführt, und an dem nehmlichen Orte meines Laokoonangeführt, den Hr. Klotz bestreiket. Er hätte sie aus meinereigenen Anführung lernen können, wenn er sie nicht schon ge-wußt hätte. Und gleichwohl Zch denke, das heißt, mit demSprichworte zu reden, einen mit seinem eigenen Fette beträu-felt wollen.

Zch sage, daß ich sie fast alle selbst angeführet habe; undfüge hinzu: außer ihnen noch weit mehrere; indem ichnehmlich meine Leser aus den Fabricius (") verwiesen. Dennich mache nicht gern zehn Allegata, wo ich mit einem davonkommen kann.

Folglich; habe ich diese Beyspiele, und noch weit mehrereihrer Art gekannt: so ist es ja wohl deutlich, daß, wenn ich demohngeachtet gesagt,es scheine nicht der Geschmack der alten

l°) vidl. vrsc. KW. II. F. Vl. p. »4S.