Antiquarischer Briefe erster.
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Denn eS wäre ja doch nur ein Fehler. Fehler schlicsscnVorsatz und Tücke aus; und daher müssen alle Fehler allen zuverzeihen seyn.
Doch, gewisse Recensenten haben ihre eigene Sprache. Un-verzeihlich heißt bey ihnen alles, worüber sie sich nicht enthaltenkönnen, die Zähne zu fletschen.
Wenn es weiter nichts ist! — Aber dem ohngcachtct:worinn besteht er denn nun, dieser unverzeihliche Fehler?
Herr Klotz schreibt: „Wie hat es einem unsrer besten„Kunstrichter (dem Verfasser des Laokoon) „einfallen können,„zu sagen, daß man sogar vieler Gemählde nicht erwähnt finde,„die die alten Mahler aus dem Homer gezogen hätten, und„daß es nicht der alten Artisten Geschmack gewesen zu seyn„scheine, Handlungen aus diesem Dichter zu mahlen? Die Ho-merischen Gedichte waren ja gleichsam das Lebrbuch der alten„Künstler, und sie borgten ihm ihre Gegenstände am liebsten„ab. Erinnerte sich Hr. Lcssing nicht an das große Homerische„Gemählde des Polygnotus, welches zu unsern Tagen gleichsam„wieder neu geschaffen worden ist? Unter denen vom Philosira-„tuS beschriebenen Gemählden sind drey Homerische, und die„vom Plinius kurz angezeigten kann jeder leicht finden. Unter„den Hcrculanischen Gemählden ist eines, welches den Ulysses„vorstellt, der zur Pcnclopc kömmt. Von halb erhabnen„Werken will ich nur die merkwürdigsten anführen, u. s. w.
Zch könnte zu dem Recensenten sagen: Hier sehe ich blos,daß Herr Klotz nicht meiner Meinung ist, daß ihn meineMeinung befremdet; aber er sagt nichts von Fehler, noch we-niger von einem unverzeihlichen Fehler.
Doch, der Recensent könnte antworten: Was Herr Klotzkeinen unverzeihlichen Fehler nennt, das beschreibt er doch alseinen solchen; ich habe also dem Kinde nur seinen rechtenNamen gegeben.
Der Recensent hätte sast Reckt. Ich muß mich also nichtan ihn, sondern an den Herrn Klotz selbst wenden. Und waskann ich diesem antworten?
Nur das: daß er mich nicht verstanden hat^ daß er michetwas sagen läßt, woran ich nicht gedacht habe.
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