»W^MMWSKWMM«
8 Antiquarischer Briefe dritter.
Dritter Brief. °)
Ich komme also zu der zweyten Bestreitung des Herrn Klotz.Er fahret fort: „auch die Einwürfe, welche Herr Lessing von„der Schwierigkeit hernimmt, die Homerischen Fabeln zu mah-„lcn, sind leicht zu heben, obgleich diese Widerlegung deutlicher„durch den Pinsel selbst, als durch meine Feder werden würde."
Ich glaube es sehr gern, daß Herr Klotz vieles ungcmeinleicht findet, was ich für ungemcin schwer halte. Dieses kömmtvon der Verschiedenheit, entweder unserer beiderseitigen Kräfte,oder unsers beiderseitigen Zutrauens auf uns selbst. Doch, dasist hier nicht di? Sache.
Meine Einwürfe, von der Schwierigkeit hergenommen, dieHomerischen Fabeln zu mahlen: was betreffen sie? Die Home-rischen Fabeln überhaupt; oder nur einige derselben? Diese undjene einzeln genommen; oder alle zusammen in ihrer unzertrenn-lichen Folge bey dem Dichter?
Eaylus schlug nicht blos den neuern Artisten vor, ihrenStoff fleißiger aus dem Homer, mit Bcybchaltung der dichteri-schen Umstände, zu entlehnen: er wünschte den ganzen Homerso gemahlt zu wissen; wünschte, daß ein mächtiger Prinz eigeneGallcrien dazu bauen wollte.
Das hätte er immer wünschen können! Weil er sich aberdabey einbildete, daß eine solche zusammenhängende Reihe vonGemählden ein wirkliches Heldengedicht in Gemählden seynwürde; daß sich der ganze mahlerische Geist des Dichters darinnzeigen müsse; daß sie, statt des Probiersteins, zur Schätzung,in welchem Verhältnisse ein epischer Dichter vor dem anderndas mahlerische Talent besitze, dienen könne: so glaubte icheinige Einwendungen dagegen machen zu dürfen.
Vors erste wendete ich ein:(*") daß Homer eine doppelteGattung von Wesen und Handlungen bearbeite, sichtbare undunsichtbare; daß aber die Mah.lercy diesen Unterschied nicht an-geben könne, daß bey ihr alles sichtbar und auf einerley Art
°) In dcr Hamburg , neuen Zeitung von, 23. Iulii 1768, St. 116.(°) 't'!»il.,>iuix liiös >?» I'Uii>lw. ^Vvvxt. p. S6. S7.t") Laokoon Xil,