Antiquarischer Briefe dritter.
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sichtbar sey; daß folglich, — wenn in den Gemählden des Eay-lus das Sichtbare mit dem Unsichtbaren, ohne unterscheidendeAbänderung mit einander wechsele, ohne eigenthümliche Merk-mahle sich mit einander vermische, — nothwendig sowohl dieganze Reihe, als auch manches einzelne Stück, dadurch äußerstverwirrt, unbegreiflich und widersprechend werden müsse.
Was antwortet Herr Klotz aus diese Schwierigkeit? Wieschon angeführt: — daß sie leicht zu heben sey. — Wahrhaftig?Aber wie denn? Darüber hat Herr Klotz nicht Zeit, sich ein-zulassen; genug, daß meine Widerlegung deutlicher durch denPinsel selbst, als durch seine Feder werden würde. —
Ewig Schade, daß Herr Klotz den Pinsel nicht führet!Er würde ihn ohne Zweifel eben so meisterhaft führen, als dieFeder. Oder vielmehr, noch unendlich meisterhafter. Denn dasgeringste wäre, daß er Unmöglichkeiten damit möglich machte!
Bis er ihn führen lernet, bitte ich indeß seine Feder, michin die Schule zu nehmen. Seine fertige Feder sey so gütig,und belehre mich, — (wenn sie es schon nicht ganz deutlichkann; ich bin auch mit einer halbdeutlichen Belehrung zufrie-den,) — und belehre mich nur cinigcrmaaß'en, wie man es ei-nem Gemählde ansehen kann, daß das, was man darinn sieht,nicht zu sehen seyn sollte; — und belehre mich, was für Mit-tel ungefehr der Pinsel brauchen könnte, um gewisse Personenin einem Gemählde mit sehenden Augen so blind, oder mitblinden Augen so sehend zu mahlen, daß sie von zwey odermchrcrn Gegenständen, die sie alle gleich nahe, gleich deutlichvor oder neben sich haben, die einen zu sehen und die andernnicht zu sehen, scheinen können. Sie belehre mich; nur beliebesie unter diese Mittel keine Wolken zu rechnen, von welchen ichdas Unmahlcrische erwiesen habe.
Sie wird mehr zu belehren bekommen. Denn zwcytcns wen-dete ich ein: daß, durch die Aufhebung des Unsichtbaren in denHomerischen Handlungen, zugleich alle die charakteristischen Zügevcrlohrcn gehen müßten, durch welche sich bey dem Dichter dieGötter über die Menschen auszeichnen.
Auch dieses ist leicht zu beantworten? Und am besten mitdem Pinsel? — Abermals Schade, daß Herr Klotz den Pin-