Antiquarischer Briefe fünfter.
wird, als um von eins bis auf drey zu zählen? „Kann man„denn keinen alten Mann vorstellen ohne ihm dürre Beine,„einen kahlen Kopf, und ein cingcfallncs Gesicht zu geben?"Welch eine Frage! und in welchem Tone gethan! und in welchemTone sich selbst beantwortet! „Aber Balthasar Dcnner und„Bartholomäus van der Helft belehren uns, daß auch der Kopf„eines alten Mannes gefallen könne." Also bis auf BalthasarDcnncrn, bis auf Bartholomäus van der Helft, wußte dasin der Welt niemand? Und wen es nicht dieser Balthasar unddieser Bartholomäus gelehrt hat, der weiß es noch nicht? Ichbin wirklich so eitel und glaube, daß ich es auch ohne dieseMeister wissen würde; jaohnc alle Meister in der Welt.
Sechster Brief.Sie entschuldigen den Herrn Kloß: er habe zu seinem Bucheso vieles nachschlagen müssen, daß es kein Wunder sey, wenner nicht alles aus das genaueste behalten; mein Laokoon seyauch das Werk nicht, das er verbunden gewesen, so eigentlichzu studircn; indeß zeigten seine Einwürfe selbst, daß er es zulesen gewürdigct; er habe es auch anderwärts mit Lobsprüchenüberhäuft. >
So würde ich ihn gern selbst entschuldigen; wenn er nichtin mchrcrn Stücken eine allzuausdrückliche Gefliesscnhcit verriethe,feine Leser wieder mich einzunehmen.
Zu diesem Lichte sollen Sie sogleich auch seine übrigen Be-streitungen erblicken, die ich in diesem Briefe zusammen fassen will.
An einem Orte schreibt Herr Klotz: (°) „Ich gebe es Herr„Lessingen gern zu, daß wenn Dichter und Künstler die Gegen-„ stände, welche sie mit einander gemein haben, nicht selten aus„dem nehmlichen Gesichtspunkte betrachten müssen, ihre Nachah-mungen oft in vielen Stücken übereinstimmen können, ohne daß„zwischen ihnen selbst die geringste Nachahmung oder Beeifcrung„gewesen. Abrr ich möchte diesen Satz nicht allzu sehr ausge-dehnt haben." Bin ichs, der ihn allzu sehr ausgedehnet hat?Wozu mein Name hier, wenn er dieses nicht zu verstehen geben
(°) S. 170.