Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
Seite
24
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Antiquarischer Briefe neunter.

Neunter Brief. °)

Zch denke nicht, daß ich mir zuviel herausnehme, wenn ichmich auch noch an einem Orte von Herr Klotzen gemeint glaube,wo er mich nicht nennt: denn er nennt mich dafür anderwärts,wo er den nehmlichen Kampf kämpfet.

Er will durchaus nicht leiden, daß man den alten Artistendie Perspcktiv abspricht.

Zm Laokoon hatte ich es gethan: obschon gar nicht in derAbsicht, wie Perrault und andere, denen es damit auf die Ver-kleinerung der Alten angesehen ist. Doch da Herr Klotz michso selten verstanden: wie konnte ich verlangen, daß er michhier errathen sollte? Er warf mich also mit den Perraults ineine Classe, und nahm sich, in seinem Beytrage zur Ge-schichte des Geschmaks und der Kunst aus Münzen,(°)der Alten gegen mich an, die es wahrhaftig nie nöthig haben,daß man sich ihrer gegen mich annimt.

Seitdem hat er neue Hülfsvölkcr angeworben, mit denener in seinem Buche von geschnittenen Steinen (") zumzweyten auf dem Plane erscheinet.Mein Eifer, sagt er, fürden Ruhm der Alten, denen ich grosse Dankbarkeit schuldigzu seyn glaube, erlaubt mir nicht, eine Anmerkung hier zuunterdrücken." Und diese Anmerkung läuft dahin aus, daßnunmehr durch Einen geschnittenen Stein aus Tausenden, durcheine gewisse Abhandlung des Grafen Caylus, und durch einebisher unbemerkte Stelle des Philöstratus, der Alten ihre Kennt-niß und Ausübung der Pcrspekliv ausser allem Zweifel gesetzt sey.

Zch wünschte sehr, daß sich der Eifer des Herrn Klotz für

°) Zuerst im IZt. und t>?2> Stucke der Hamburgischcn neue» Zeitungvon 17K8, vom 18. und 20. August.Wir übergehen den 6Icn 7tcn und8ten dieser Briefe, in welchen Hr. Lessing auf vcrschicdnc Vorwürfe desHrn. Rloy von miiidcrm Belange antwortet, um unsern Lesern einige derfolgenden mitzutheilen, die von der Perspcctiv der alten Artisten handeln, zuderen Vertheidiger sich Hr. Rloy aufgeworfen."

(°) S. 179.

(°°) S.92.

°°) Die Worte vondurch Einen" an, bis hiehcr, fehlen in der neuenZeitung.