Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
Seite
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Antiquarischer Briefe neunter.

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weil ans einem so hohen Gesichtspunkte, besonders die Figurendes Vordergrundes von oben herab sehr verkürzt und verschobenhätten erscheinen müssen, wodurch alle Schönheit und ein gro-ßer Theil des wahren Ausdrucks vcrlohrcn gegangen wäre: sogieng er davon ab, und zeichnete die Figuren aus dem natür-lichen ihrer Höhe ungefehr gleichem Gesichtspunkte. Za auchdiesen behielt er nicht, nach Maaßgcbung der vordem Figuren,für alle die entferntem Figuren gleich und einerley. Denn da,zu Folge der aus einem sehr hohen Gesichtspunkte genommenenGrundfläche, die Figuren, welche hintereinander stehen sollten,übereinander zu stehen kamen, (welches beym Pausanias ausdem öftern «v-oA-xv, «v^pu- und dergleichen erhellet:) sowürden diese entfernter oder höher stehende Figuren, wenn ersie aus dem Gesichtspunkte der Figuren des Vordergrundeshätte zeichnen wollen, von unten hinauf verschoben und verkürztwerden müssen, welches der Grundfläche das Ansehen einer Bergan laufenden Fläche gegeben hätte, da es doch nur eine per-spektivisch verlängerte Fläche seyn sollte. Folglich mußte er fürjede Figur, für jede Gruppe von Figuren, einen neuen, ihrerbesondern natürlichen Höhe gleichen Gesichtspunkt annehmen:das ist, er zeichnete sie alle so, als ob wir gerade vor ihnenstünden, da wir sie doch alle von oben herab sehen sollten.

Es ist schwer sich in dergleichen Dingen verständlich auszu-drücken, ohne wortreich zu werden. Man kann aber auch nochso wortreich seyn, und gewisse Leute werden uns doch nichtverstehen; solche nehmlich, denen es an den ersten Begriffen derSache, wovon die Rede ist, fehlet. Und an diesen fehlet esdem Herrn Klotz in der Perspcktiv gänzlich: denn er verstehtsich ja auch nicht einmal auf ihre Terminologie.

Die gewöhnliche Pcrspcktiv der Alten, sagt er, ist die vonuns so genannte Militarperspcktiv von oben herein"Nichtjede Perspcktiv von oben herein, ist Militarperspcktiv. Beydieser werden zugleich die wahren Maaße der Gegenständeüberall beybehalten, und nichts wird nach Erfordcrniß der Ent-fernung verkleinert. Folglich ist die Militarperspcktiv eigentlichgar kcinc Pcrspcktiv, sondern ein blosses technisches Hülfsmittelgewisse Dinge vors Auge zu bringen, die aus einem niedrigen