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Antiquarischer Briefe sechs und zwanzigster.
für eine Kostbarkeit nnd Seltenheit kann man nicht einem My-lord zntrauen! — Es wäre sehr natürlich, aus dem Lächelndarüber ins Lachen zu fallen. —
Doch, ich will lieber ganz ernsthaft den Hrn. Lippcrt undden Hrn. Klotz bitten, mich zu belehren, woher sie es so gewißwissen, daß dieser Stein des Mylord Bedfort ein wahrer Dia-mant ist? Welche Versuche sind damit angestellt worden? Wie,wenn es ein gebrannter Amethyst, oder Sapphir, oder Sma-ragd wäre, deren orientalische Gattungen, wenn sie durch dasFeuer ihrer Farben beraubt worden, so viel von dem wahrenGlänze und Wasser des Diamants haben, daß der erfahrensteJuwelier damit betrogen werden kann? (*) Hätte kein Antiquardiesen Betrug versuchen können? Wäre es aber auch ein wah-rer Diamant, konnte die Arbeit darauf nicht das Werk einesneuen Künstlers seyn? Wer kann dafür stehen, daß sie es nicht ist?
Hier müssen Beweise aus Büchern mehr gelten, als derAugenschein. Wenn die Bücher der Alten keiner geschnittenenDiamante erwähnen; wenn hundert Umstände hingegen in ihnenvorkommen,, die es schwer zu begreifst» machen, daß sie derengehabt, die es sogar zweifelhaft machen, ob sie auch nur ge-schliffene Diamante gehabt: so wäre es eine grosse Einfalt,jemanden in der Welt, er sey wer er wolle, auf sein blossesWort zu glauben, daß sich da oder dort ein solcher alter Dia-mant wirklich befinde.
Sieben und zwanzigster Brief.Aber Hr. Klotz hat sich eine zu gute Entschuldigung ausge-spart, warum er so kahle nnd verwirrte Kenntniße von Edel-steinen zeigt, als daß ich mich länger bey dieser Materieverweilen darf.
Er sagt nehmlich, (*°) „daß in Ansehung der Benennungen,welche die alten Schriftsteller den Edelsteinen beygelegt haben,eine grosse Dunkelheit herrsche. Die Neuern hätten zwar diealten Namen beybehalten; allein sie hätten ganz andere Steinedamit beschenkt, als die Alten."
(°) S> Hills Slmiicrkmigcii ,'ibcr den Thcophrast, S. 83.(°°) S. 4».