134 AitticMttschcr Briefe zwey und vierzigster.
ler zu denken, lind zn beurtheilen, was der Künstler ohngefchrhabe sagen können, und was er nach den Grundsätzen seinerKunst schlechterdings nicht habe sagen können.
Kurz; es ist lediglich ein perspektivischer Vortheil, lediglichein Vortheil, durch den der Stein ein augenblickliches Blendwerkvon Pcrspcktiv erhalten kann, ohne die geringste Perspektiv zuhaben, den Hr. Lippcrt der schildförmigen Fläche desselben bey-legt. Und nun sagen Sie mir, was Sie von diesem Vortheilebey Hr. Klotzen finden? Nicht eine Syllbe. Aber wohl hat erdiesen Vortheil in einen andern umgcschaffcn, von dem sich we-der Lippcrt noch ein Mensch in der Welt träumen lassen: inden Vortheil der größcrn Räumlichkeit; in den Vortheil derBefreyung von dem Zwange, den der enge Raum des Steinesdem Künstler anlegt. Kann man sich etwas lächerlicheres undsinnloseres denken!
Zndeß begreif ich wohl, wie es mit dieser possierlichen Ver-wandlung zugegangen. Denn daß sie vvrsetzlich seyn sollte; daßHr. Klotz dem Lippertschcn Nutzen, den er etwa für falsch er-kannte, einen andern von seiner eignen Bemerkung sollte sub-stituirt haben: das müssen Sie sich auch gar nicht einfallenlassen. Sein Fehler ist nicht, daß er unrichtig, sondern daßer schlechterdings gar nicht gedacht hat, als sich Lippertsche Wortein Klotzische Perioden fügen mußten.
Sehen Sie nur nach, wo Hr. Lippert, in dem Werke selbst,den bemerkten Vortheil der schildförmigen Fläche an einzelnBeyspielen zeigen will! So sagt er z. E. bey einem JupiterAmmon auf einem Zaspis: (°) „Der Stein ist erhaben und„schildförmig geschliffen. Diesen Vortheil, die Steine hoch und„schildförmig zu schleifen, brauchten die Alten, wie ich schon„im Vorbcricht erinnert habe, um die Figuren in allen Theilen„stach zu schneiden, und doch auch die vom Leibe abstehende„Arme und Beine, ohne sie zu verkürzen, geschickt heraus zu„bringen." Nun lesen Sie noch einmal, was Hr. Klotz hier-aus gemacht hat: „Durch das Schildförmige bcfrcytcn sich die„allen Künstler von dem Zwange, den ihnen der enge Raum
(°) Erstes Tausend, Nummer 6.
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