Antiquarischer Briefe fünf und vierzigster.
Strahlen, wen» sie durch Mittel von verschiedener Dichte gehen,eine «vocx^Lco-lv (Brechung) leiden: aber nach welchen Gesetzendiese Brechung geschehe, davon wußten sie schlechterdings nichts.Sie erklärten aus dieser Brechung überhaupt, so ungcschr einigewenige Erscheinungen der durch verschiedene natürliche Mittelgehenden Strahlen: aber mit dem künstlichen Mittel des Glaseshatten sie keine Versuche angestellt, und es blieb ein tiefes Ge-heimniß für sie, wie sich durch die verschicdne Fläche dieseskünstlichen Mittels, die Brechung in unsere Gewalt bringen lasse.
3. Doch Herr Lippert giebt die theoretischen Kenntnisse derAlten hiervon endlich selbst auf, und meint nur, daß sie Ver-größerungsgläser könnten gehabt haben, auch ohne daß solchenach den Regeln der Dioptrik verfertiget worden. Das istwahr: bediente man sich doch in den neuern Zeiten der Brillenschon an die dreyhundcrt Zahre, ehe man eigentlich erklärenkonnte, wie sie der Undcutlichkcit abhelfen. (*) Aber die bloßeMöglichkeit beweiset nichts; auch selbst die Leichtigkeit, mit derdiese Möglichkeit alle Augenblicke wirklich werden können, bewei-set nichts. Die leichtesten Entdeckungen, müssen nicht ebendie frühesten gewesen seyn. Zm Grunde mochte diese Leichtig-keit auch wohl so groß nicht seyn, als sie Hr. Lippert macht.Die Steine, welche die Alten am häufigsten schnitten, warenwenig oder gar nicht durchsichtig; und wenn auch der reinsteKrystall von ungefehr linsenförmig geschliffen gewesen wäre, sowar darum doch noch lange nicht das Vergrößerungsglas ent-deckt. Denn ein von ungefehr linsenförmig geschliffener Kry-stall wird auch nur ungefehr linsenförmig seyn, und also dieFigur des unterliegenden kleinen Körpers zwar vergrößern, aberauch verfälschen. Was konnte der, der die Vergrößerung be-merkte, also für besondern Nutzen daraus hoffen, wenn er nochvon der Vermuthung so weit entfernt war, daß die Verfäl-schung aus der mindern Genauigkeit der sphärischen Fläche ent-stehe, und durch Berichtigung dieser jener abzuhelfen sey?
4. Endlich, wozu denn überhaupt dieser von ungefehr lin-senförmig geschliffener Krystall? Weis man denn nicht, daß
(°) S, Kästucrs Lchrbcgriff der Optik S, 366,