Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
Seite
158
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168 Antiquarischer Briefe sechs und vierzigster.

Sechs und vierzigster Brief.

Ich habe mich bey der ersten Klotzischcn Anmerkung überdas Mechanische der Stcinschncidcrknnst etwas lange verweilet.Bey der zweyten werde ich um so viel kurzer seyn können. Sielautet so: (°)

Die natürlichen Adern und Flecken eines Steines, dientenden Alten bey erhaben geschnittenen Werken oft zur Erreichungihres Endzwecks, die jedem Dinge eigenen Farben zu gebenund die schönste Mahlerey zuwege zu bringen. Sie wußtenhierdurch ihren Werken eine Lebhaftigkeit zu geben, die sichder Natur näherte, und machten dem Mahler seinen Vorzugzweifelhaft. Die Farben sind so gebraucht, daß die Farbe,welche zu einer Sache angewandt worden, sich nicht auf eineandere zugleich mit erstreckt, nnd alle Unordnung ist vermieden."

Welch schielendes Wortgcprängc! welche abgeschmackte Ueber-treibung von der ctwannigcn Wirkung eines glücklichen Zufalls,oder einer ängstlichen Tändclcy! Also war es, bey erhaben ge-schnittenen Werken, der Endzweck der Alten,jedem Dinge dieihm eigene Farbe zu geben?" Der Endzweck! kann man sichungereimter ausdrücken? Und diesen Endzweck halfen ihnen dienatürlichen Adern und Flecken des Steines erreichen? und soerreichen, daß die schönste Mahlerey daraus entstand? Dieschönste Mahlerey! Eine Mahlerey, die dem Mahler seinenVorzug zweifelhaft macht! Kann man kindischer hypcrbolisiren?Gerade so würde ein spielendes Mädchen, das Kupferstiche aus-schncidet, und sie mit bunten seidenen Fleckchen ausleget, demMahler seinen Vorzug zweifelhaft machen.

Was kann ich mehr von der ganzen Anmerkung sagen, alswas bereits ein Gelehrter davon gesagt hat, welcher gleichfallssein fremnüthiges Urtheil über die Schrift des Hrn. Klotz fällenwollen, ohne sich vor dem Kothe zu fürchten, den Lotterbubendafür auf ihn werfen würden?Ich habe, sagt Hr. Naspe, (°°)viele geschnittene Steine dieser Art gesehen. Sie kommen mirvor, als die Akrosticha und Chronodisticha in der Poesie.

(°) S. 63,

(") Ilnmcrkuiigcn zc. S. 31. (Casscl 1768. in 12.)