Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
Seite
196
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19k Antiquarischer Briefe vier und fünfzigster.

lich gelesen habe; ich finde manchmal so gar, daß ich für meinengesunden Verstand schon viel zu viel gelesen habe. Mein hal-bes Leben ist vergangen, um zu lernen, was andere gedachthaben. Nun wäre es bald Zeit, selbst zu denken; oder, wennes damit zu spät seyn sollte, wenigstens das, wovon ich gelernthabe, daß es andere gedacht, mir so zu ordnen, mir so zu be-richtigen und aufzuhellen, daß es zur Noth für meine eigeneGedanken gelten kann. Es scheinet nicht, daß Sie schon dahalten, wo ich halte; es scheinet nicht, daß Sie das Bedürfniß,in Ihrem Kopfe aufzuräumen, schon so dringend fühlen, alsich es fühle: Sie sammeln noch; und ich werfe schon wiederweg. Ich erkenne es mit Dank, daß Sie so geschäftig unddienstfertig um mich seyn wollen: aber bemerken Sie doch mir,mein werthester Herr, daß Sie mir fast lauter Dinge in dieHand geben, die ich dort schon in den Winkel gestellt habe.Vieles geben Sie mir auch für etwas ganz anders in die Hand,als cS ist. Ucberhaupt aber verkennen Sie meine Absicht; Siehalten sich bey den beyläufigen Erläuterungen auf, und überdie Hauptsache fahren Sie dahin. Ich möchte Sie wohl ummich haben, um Sie als ein lebendiges Register zu nutzen: anSeitenzahlen würden Sie mich nicht Mangel leiden lassen; nurfür die Gedanken müßte ich selbst sorgen. Wohl zu behalten,daß ich Ihnen auch noch die Seitenzahlen nachzubcrichtigen,nicht versäumte! Denn oft sagt das Register etwas ganz an-ders, als das Buch. Ich versprach mir an Ihnen einen Mann,der mit mir denken würde; und ich finde einen, der für michnachschlagen, und in den Kupferbüchern für mich bildern will.Wenn Ihnen ein Gefalle damit geschieht, so sollen Sie mitjeder Ihrer Erinnerungen völlig Recht haben: was mein Buchbeweisen und erläutern soll, beweiset und erläutert es darumnicht ein Haar weniger."

So, und nur so, hätte ich dem Herrn Klotz antworten kön-nen, ohne meiner Freymüthgkeit Gewalt zu thun. Aber wennich mich fragte; wozu diese Gewalt? so fragte ich mich auchzugleich; wozu diese Frcymüthigkeit? Was wird sie nutzen, alsdaß du dir, aus einem ungewissen Freunde, einen gewissenFeind machst? Wähle das Mittel; erspare deiner Freymüthgkeit