Antiquarischer Briefe fünf und fünfzigster. 197
die Gewalt, indem du dir die Freymüthigkeit selbst ersparest;schweig! — Und ich schwieg.
Fünf und fünfzigster Brief.
Ich schwieg in das zweyte Zahr; und ich würde sicherlichnoch schweigen —
„Wenn Herr Nicolai mit seiner Allgemeinen Biblio-thek nicht wäre."
So sagt Hr. Klotz! „Damals, sagt er,(°) „als ich noch„an keine Deutsche Bibliothek gedacht, (als meine Deutsche„Bibliothek noch nicht Schuld war, daß Herr Nicolai von sei-„ner Allgemeinen Bibliothek weniger Exemplare auf der Messe„verkaufte,^)) stand ich bey Herr Nicolai und seinen Freun-den noch in Gnaden. Aber sobald ich mich an die Spitze„der über den kritischen Despotismus Unzufriednen stellte, so„sahe man mich auch mit andern Augen an: dann schrieb der„jüngere Herr Candidat Lcssing in Berlin wider mich Zeitungs-artikel, wovon der eine so ehrenrührig war, daß er auf Be-„fehl eines großen Ministers unterdrückt wurde: dann ergriff„Hr. Magister Lessing die Feder: dann ward ich selbst in der„Allgemeinen Bibliothek gemißhandelt." —
Dieser Magister Lessing soll ich seyn, und dieser CandidatLcssing soll mein Bruder seyn, und wir beide sollen blos undallein wider den Hrn. Magister Klotz die Feder ergriffen ha-ben, um die Nahrung des Hrn. Buchhändler Nicolai aufrechtzu erhalten!
Ich kann mich rühmen, daß ich schon manche tüchtige Lügevon mir und wider mich zu lesen, das Vergnügen gehabt habe:aber so eine grobe, aus der Luft gegriffene, hämtückische istmir doch lange nicht vorgekommen, als diese Klotzische! MeinBruder mag sich selbst rechtfertigen, wenn er es der Mühewerth hält. Ob er Zeitungsartikel wider Hr. Klotzen gemachthat, das weis ich nicht; daß er ehrenrührige gemacht habensollte, das glaub ich nicht; und gewiß ist es, daß ein solcherehrenrühriger Artikel von ihm, auf Befehl eines großen Mi-
(°) S. 468.
(") Mische Zeitung 1768. St. 81.