Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
Seite
199
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Antiquarischer Briefe fünf und funfMstcr.

an der Allgemeinen Bibliothek sey; es geschehe doch unter mei-nem Namen, daß ein so entsetzlicher Mensch einem der größ-ten Dichter miscrcr Zeit ein so himmelschreiendes Unrecht zufüge;ich müsse also einem solchen Unwesen steuern, oder wenigstens,wenn mir an der Hochachtung der Welt noch das geringste ge-legen sey, öffentlich meinen Abscheu dagegen bezeigen und erklä-ren, daß ich ihm nicht zu steuern vermöge.

Wie man gewisse Dinge gerade deswegen nicht thut, weilgewisse Leute behaupten, daß man sie thun müsse: so bezeigteund erklärte ich von allem, was der Scndschreiber meinte, daßich nothwendig bezeigen und erklären müsse, schlechterdings nichts.Dieser Elende, dacht ich, der fähig ist, einen bey sich nieder-fallenden Stein in der Wuth aufzugreifen, und ihn dem ersten,den er in die Augen fasset, an den Kopf zu werfen, dieserElende mag von dir glauben, was er will! Wer wird es ihmnachglauben?

Aber hierum betrog ich mich. Den» ich habe nachher nurallzuoft die nehmliche Sprache wider mich führen hören. Selbstin diesem Augenblicke lege ich ein Zcitungsblatt des Hrn. Ric-dcls aus der Hand,(°) in welchem er von dem letzten Stückeder Allgemeinen Bibliothek anmerkt,daß in zwey Recensionendie Panheylichkeit gar zu sichtbar sey; in der von den Reli-quien, und in der, welche die Nachricht von Künstlern undKunstsachen bctrift."Der bittere Tadel des Herrn von Hei-neke, setzt er hinzu,und das Lob, welches ihm neulich Hr.Lessing ertheilte, machen einen Gegensatz aus, bey welchemwir nicht wissen, was wir denken sollen." Nichtwissen, waswir denken sollen! Und warum denn nicht? Ohnstrcitig, weilHr. Nicdel das simpelste und natürlichste nicht denken will!Oder wäre es das simpelste und natürlichste etwa nicht, auchschon aus diesem einzigen Ercmpcl zu schließen, wie wenig ichmit der Allgemeinen Biblothck colludire? Was geht es michan, wie die Allgemeine Bibliothek urtheilet? Warum muß ichihr Urtheil nothwendig zu meinem machen? Warum sie, meinUrtheil zu ihrem? Das Einvcrständniß, das Herr Ricdel zwi-

(°) Erfurtischc zeichne Zeitung, 4?stes Stück.