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8 (1839)
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AntuMtisckftr Briefe fünf und fünfzigster.

sehen ihr und mir voraussetzt, worauf gründet es sich? Wasfür Beweise kann er davon geben?

Doch Er, und sein theuerster Freund, Herr Klotz, habenes sich nun einmal vorgenommen, der Welt eine BerlinischeLitteraturschule aufzuheften, und mich zu einem von den Stif-tern derselben zu machen. Diese Schule soll in den Journalen,welche Herr Nicolai seit zwölf Zahren besorget, leiben und le-ben, und den unerträglichsten Despotismus üben. Der Miß-vergnügten über diesen Despotismus sollen in Deutschland un-zählige seyn, und Hr. Klotz will sich endlich an die Spitze der-selben gestellt haben.

Viel Glück zu diesen Erscheinungen, und zu allen darausfolgenden Rittcrthatcn! Aber möchte ein freundlicher Geniusdie Augen dieser Helden, wenigstens nur in Absicht auf mich,erleuchten. Ich bin wahrlich nur eine Mühle, und kein Niese.Da stehe ich auf meinem Platze, ganz außer dem Dorfe, aufeinem Sandhügcl allein, und komme zu niemanden, und helfeniemanden, und lasse mir von niemanden helfen. Wenn ichmeinen Steinen etwas aufzuschütten habe, so mahle ich es ab,es mag seyn mit welchem Winde es will. Alle zwey unddreyßig Winde sind meine Freunde. Von der ganzen weitenAtmosphäre verlange ich nicht einen Fingerbreit mehr, als ge-rade meine Flügel zu ihrem Umlaufe brauchen. Nur diesenUmlauf lasse man ihnen frey. Mücken können dazwischen hinschwärmen: aber mulhwillige Buben müssen nicht alle Augen-blicke sich darunter durchjagen wollen; noch weniger muß sieeine Hand hemmen wollen, die nicht stärker ist, als der Wind,der mich umtrcibt. Wen meine Flügel mit in die Luft schlci-dern, der hat es sich selbst zuzuschreiben: auch kann ich ihnnicht sanfter niedersetzen, als er fällt. -

Seit dem Zahre 61 habe ich für die Journale des Hrn.Nicolai gerade einen kleinen Octavbogen geliefert, welcher dieAnpreisung eines Werkes enthält, über dessen Güte wir alleeinig sind. Dennoch darf Hr. Klotz mich zum gcschwornenVerfechter des Hrn. Nicolai machen. Dennoch darf

Doch genug hiervon. Schon wird meine eigene Rechtferti-gung mir selbst zum Eckel.