Antiquarischer Briefe sechs und fünfzigster.
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Sechs und fünfzigster Brief.
Aber wenn cs nicht Hr. Nicolai war, wer war es denn,der mich gegen Hr. Klotzen aufbrachte? — Denn aufgebrachtsoll ich doch nun einmal seyn.
Zch weis nicht, was ich bin, oder zu seyn scheinen mag.So viel weis ich, daß ich das, was ich bin, mit sehr kaltemBlute bin. Es ist nicht Hitze, nicht Uebercilung, die mich aufden Ton gestimmt, in welchem man mich mit Herr Klotzen hö-ret. Es ist der ruhigste Vorbedacht, die langsamste Uebcrlcgung,mit der ich jedes Wort gegen ihn niederschreibe. Wo manein spöttisches, bitteres, hartes findet: da glaube man nur janicht, daß cs mir entfahren sey. Zch hatte nach meiner bestenEinsicht gcurtheilet, daß ihm dieses spöttische, bittere, harteWort gehöre, und daß ich es ihm auf kciue Weise ersparenkönne, ohne an der Sache, die ich gegen ihn vertheidige, zumVerräthcr zu werden.
Was war Hr. Klotz? Was wollte er auf einmal seyn?Was ist er?
Herr Klotz war, bis in das Zahr 66, ein Mann, derEin lateinisches Büchclchcn über das andere drucken lassen.Die ersten und meisten dieser Büchclchcn sollten Satyren seyn,und warm ihm zu Pasquillen gerathen. Das Verdienst derbesten, war zusammengestöppelte Gelehrsamkeit, Alltagswitz, undSchulblümchen. Bey solchen Talenten konnte er seinen Berufzum Journalisten von Profeßion, nicht lange verkennen. Erward cs: doch auch nur erst auf Latein. Man lernte aus sei-nen ^etis litterariis, daß er manch gutes Buch zu Gesicht be-komme: aber daß er über ein gutes Buch selbst etwas Guteszu sagen wisse, davon sollen uns diese ^eta noch den erstenBeweis geben. Wovon sie uns die häufigsten Beweise gaben,war der unglückliche Hang des Verfassers, in seine Urtheile diediffamircndsten Persönlichkeiten cinzuflechten. Wenn z. E. einGelehrter, der, nach Hr. Klotzens eigenem Geständnisse, sich inseinen ersten Schriften mit Ruhm gezeigt hatte, in seinen letz-tem allmälich sinket, oder einen Wisch mit unterlaufen läßt,in welchem man ihn gänzlich verkennet: was thut da Herr