Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
Seite
206
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2VK Antiquarischer Briefe sechs und funfjigsicr.

sich zum Theil darauf verstehen, einer Uebcrsctzung aus altenSprachen an den Puls zu süblcn, oder einer aus den neuernSprachen das Wasser zu besehen: das müßte aber alles seyn,womit sie sich, zu ihrer Uebung, abgeben könnten. Nicht ein-mal über Schriftsteller, von dem Maaße ihrer eigenen Talente,sollten sie urtheilen wollen: denn es ist ein ccklcr Anblick, wennman eine Spinne die andere fressen sieht, und meistens crgiebt essich zu deutlich, daß sie das getadelte Werk, noch lange so gntnicht, selbst hcvorgcbracht haben würden. Aber wenn sie vollendsan die wenigen Verfasser sich wagen, denen es Deutschland alleinzu danken hat, daß seine Litteratur gegen die Litteratur ande-rer Völker in Anschlag kömmt: so ist das eine Wcrmcsscnhcit,von der ich nicht weis, ob sie lächerlicher, oder ärgerlicher ist.Was sollen diese von ihnen lernen? Soll Klopstock von ihnenetwa lernen, in seine Elcgiccn mehr Fiction zu bringend undRammler, in seine Oden weniger? So hirnlos dergleichenUrtheile sind, so viel Schaden stiften sie gleichwohl in einemPublico, das sich zum größten Theile noch erst bildet. Derschwächere Leser kann sich nicht cntwchrcn, eine geringschätzigeIdee mit dem Namen solcher Männer zu verbinden, denen solcheStümper solche Armseligkeiten unausgcpfiffcn vordocircn dürfen.

Endlich, das stinkende Fett, womit diese Herren ihre kriti-schen Wassersuppen zurichten! Auf jedem von ihnen ruhet derGeist ihres verschmähenden Herausgebers siebenfältig; und wennjemals die Unart elender Kunstrichter, zur Mißbilligung undVerspottung des Schriftstellers die Züge von dem Menschen, vondem Gliede der bürgerlichen Gesellschaft zu entlehnen, einenNamen haben soll, so muß sie Klotzianismus hcisscn.

Sieben und fünfzigster Brief.

Zeder Tadel, jeder Spott, den der Kunstrichter mit demkritistrten Buche in der Hand gut machen kann, ist dem Kunst-richter erlaubt. Auch kann ihm niemand vorschreiben, wie sanftoder wie hart, wie lieblich oder wie bitter, er die Ausdrückeeines solchen Tadels oder Spottes wählen soll. Er muß wissen,welche Wirkung er damit hervor bringen will, und es ist noth-wendig, daß er seine Worte nach dieser Wirkung abwäget.