Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
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Wie die Alten den Tod gebildet.

ihm zu wissen begehret, ist dieses, ob er, seiner Scits, in dieWagschaale des einen oder des andern etwas zu legen habe,welches in gegenwärtigem Falle den Ausschlag zwischen ihnenändere, oder vermehre. Nur ein solches Bcygewicht, aufrichtigertheilet, macht ihn dazu, was er seyn will: aber er bilde sichnicht ein, daß sein bloßer kahler Ausspruch ein solches Bcyge-wicht seyn kann. Ist er der Mann, der uns beide übersieht,so bediene er sich der Gelegenheit, uns beide zu belehren.

Bon dem Tumultuarischen, welches er meiner Arbeit garbald anmerken wird, kann er sagen, was ihm beliebt. Wanner nur die Sache darunter nicht leiden läßt. Allerdings hätteich mit mehr Ordnung zu Werke gehen können; ich hätte meineGründe in ein vortheilhasteres Licht stellen können; ich hätte nochdieses und jenes seltene oder kostbare Buch nutzen können;was hätte ich nicht alles!

Dabey sind es nur längst bekannte Denkmahle der altenKunst, die mir freygestandcn, zur Grundlage meiner Untersu-chung zu machen. Schätze dieser Art kommen täglich mehrerean das Licht: und ich wünschte selbst von denen zu seyn, dieihre Wißbegierde am ersten damit befriedigen können. Aber eswäre sonderbar, wenn nur der reich heisscn sollte, der das meistefrisch gemünzte Geld besitzet. Die Vorsicht crfoderte vielmehr,sich mit diesem überhaupt nicht eher viel zu bcmcngcn, bis derwahre Gehalt außer Zweifel gesetzt worden.

Der Antiquar, der zu einer neuen Behauptung uns aufein altes Kunstwerk verweiset, das nur er noch kennet, das erzuerst entdeckt hat, kann ein sehr ehrlicher Mann seyn; und cSwäre schlimm für das Studium, wenn unter achten nicht siebenes wären. Aber der, der, was er behauptet, nur aus dem be-hauptet, was ein Boissard oder Pighius hundert und mehr Zahrevor ihm gesehen haben, kann schlechterdings kein Bctricger seyn;und etwas Neues an dem Alten entdecken, ist wenigstens ebenso rühmlich, als das Alte durch etwas Neues bestätigen.