Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
Seite
318
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Bercnganus Tnrencnsts.

Freund, kaum verdiente, daß Sie sich die geringste Mühegaben, ihn zu einem Deutschen zu machen. Er sey ein Deut-scher, oder ein Wähle, oder was er will, gewesen: er war ei-ner von den ganz gemeinen Leuten, die mit halb offnen Au-gen, wie im Traume, ihren Weg so fortschleudern. Entwederweil sie nicht selbst denken können, oder aus Kleinmut!) nichtselbst denken zu dürfen vermeinen, oder aus Gemächlichkeit nichtwollen, halten sie fest an dem, was sie in ihrer Kindheit ge-lernt haben: und glücklich genug, wenn sie nur von andernnicht verlangen, mit Gutem und Bösen verlangen, daß sie ih-rem Beyspiele hierinn folgen sollen.

Lieber wollte ick, daß Sie mir den Zöerengarius zu cincinDeutschen machen könnten!Den Zöerengarius? diesenKetzer? diesen doppelten Ketzer? Ketzer in seiner Trennungvon der Kirche: Ketzer in seiner Rückkehr zu ihr."

Wäre das auch alles so: nichts destowcnigcr! Das Ding,was man Ketzer nennt, hat eine sehr gute Seite. Es ist einMensch, der mit seinen eigenen Augen wenigstens sehen wol-len. Die Frage ist nur, ob es gute Augen gewesen, mit wel-chen er selbst sehen wollen. Za, in gewissen Jahrhunderten istder Name Ketzer die größte Empfehlung, die von einem Ge-lehrten auf die Nachwelt gebracht werden können: noch grösser,als der Name Zaubrer, Magus, Tcufclsbanncr; denn unterdiesen läuft doch mancher Betricgcr mit unter.

Daß Nercngan'us in einem solchen Jahrhunderte gelebt,das ist wohl unstreitig. Also auch: wcniv Ihnen die Wahlnoch itzt frey stünde, ob Sie lieber vom Aöelmann, oder vomZderengar, etwas an das Licht bringen wollten; wem würdenSie Ihren Fleiß wohl am liebsten widmen? Doch, das be-darf keiner Frage. Sie wissen über dieses zu wohl, wie unbe-kannt noch bis itzt der wahre Zöercngan'us ist; wie unzuverlä-ßig sich noch bis itzt von seiner wahren Meynung urtheilenlasse; und wie sehr, auch daher schon, alles erhalten und be-kannter gemacht zu werden verdienet, was ihn angehet, unddieser Unzuvcrläßigkcit abhelfen kann.

Zöerengarins selbst hat alles gethan, um die Nachwelt, we-gen seiner eigentlichen Lehre nicht in Zweifel zu lassen. Er