BercngariuS Turonensis.
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„Ich bin, sagt er, nach Bercclli gcfodert worden: aber nie-mand hatte Recht, mich dahin zu fodcrn. Kein Geistlicher beynns hat nöthig, ausser seiner Provinz vor Gericht zu erscheinen.Meine Freunde also nicht allein, sondern selbst ansehnliche Män-ner der Kirche widerricthen es mir, mich zu stellen." Es ver-steht sich, daß es die Vorrechte der Französischen Kirche sind,auf die sich Zdcrengarins hicbcy bezieht, und über die manschon damals alle Ursache hatte, so eifersüchtig als möglich, zuhalten. Denn es war allerdings schon ein grosser Eingriff indiese Vorrechte, daß K.eo das Zahr vorher sich erkühnt hatte,eigenmächtig ein Eoncilium in Frankreich auszuschreiben, undin Person demselben vorzusitzen, ohne sich zu bekümmern, obder König der Feycrung bcytrctcn wolle oder nicht. Flenry,und andere, haben sehr Unrecht, es bloß einem bösen Gewissenbcyzumessen, warum sowohl verschiedene vornehme Layen, alsverschiedene von den ersten Geistlichen, dem Könige riechen, die-ses Eoncilium zu hintertreiben. Ein böses Gewissen kann beyeinige» derselben der Antrieb gewesen seyn, einen dergleichenRath zu ertheilen: aber der König selbst mußte doch wohl an-dere Befugnisse haben, den Rath anzunehmen. Daß sich derPabst an die Vorstellungen des Königes, das Eoncilium wenig-stens aufzuschieben, nicht kehrte, war um so viel schlimmer; undder darauf folgende zweyte Verstoß, den er sich mit dem Ve-rengarius erlaubte, bewies genugsam, daß er überhaupt dieFreyheiten der Gallischen Kirche nicht kannte, oder nicht kennenwollte. Die insbesondere, worauf es dein Zöerengarius an-kam, werden Sie bey dem Pirhon und seinem Eommcntator,dem Dupuy, ausführlich fest gesctzct, und durch historische Bey-spiele, aus spätern und neuern Zeiten, bestätiget finden:(") sodaß ich mich nicht genugsam verwundern kann, wie sogar kei-nem einzigen Schriftsteller, meines Wissens, auch nur von wei-tem die Frage einfallen wollen, was für Recht der Pabst gehabt,einen Französischen Geistlichen aus seiner Provinz, aus seinemLande, in ein fremdes Land vor sich zu sodern? und ob denndieser so ungebührlich citirtc Geistliche nothwendig erscheinen
t°) 'äv I'DUil. >Ie I^vugwl >>u k'rvsilox, p> 46.